Das höhere Gesetz

In der Bergpredigt hat der Erretter den Geist des Gesetzes erklärt.

Streit, Zorn, Ehebruch, Scheidung, Lüstemheit. Wie man auf eine Kränkung reagiert. Wie man mit Feinden umgeht. Diese Themen sind uns wohlvertraut und in der heutigen Zeit aktuell. Doch die Menschen in alter Zeit hatten ebenso damit zu kämpfen.
Als der auferstandene Erretter einige seiner anderen Schafe auf dem amerikanischen Kontinent besuchte, ging er auf die genannten Themen und noch weitere ein — so wie er es auch während seines irdischen Wirkens im Nahen Osten getan hatte. Dort und auch in Amerika sprach er diese Punkte vor dem Hintergrund der Zehn Gebote und des mosaischen Gesetzes an, die er den geistig unreifen Israeliten mehr als eintausend Jahre zuvor auf dem Sinai gegeben hatte.

Vom Töten und vom Zorn (siehe Mathhäus 5:21-24; 3. Nephi 12:21-24)
Das Gesetz, das der Herr auf dem Sinai ausgab, enthielt das Verbot zu töten. Doch das neue Gesetz Jesu untersagt es dem Menschen sogar, mit seinem Bruder zu zürnen (siehe 2. Nephi 12:22).
Wenn wir es zulassen, daß wir zornig werden, hegen wir ungute Gefühle und sind schnell geneigt, etwas Unschönes zu jemanden oder über ihn zu sagen. Christus hat uns vor einem solchen Verhalten gewarnt, vor allem vor dem Gebrauch von Wörtern wie Dummkopf und Narr die im Griechischen und Aramäischen Geringschätzung und 1 lohn bedeuteten. Heute gibt es dafür vielleicht eher andere Wörter. Aber das Prinzip ist gleich. Ob man solche Ausdrücke nun im Zorn verwendet oder jemanden damit verspotten will - ein solches Verhalten paßt nicht zum Wert, den das Evangelium der Seele beimißt.
Zorn schadet der geistigen Gesinnung aller Beteiligten, vor allem aber dem, von dem die Kränkung ausgeht, denn ihm drohen das „Ortsgericht`, der „Rat” und das „höllische Feuer”. (Siehe 3. Nephi 12:22.) Mit Rat ist hier wohl ein geistlicher Disziplinarrat gemeint, dem Sanhedrin in Jerusalem vergleichbar.
„Darum”, hat Jesus gesagt, „wenn du zu mir kommst oder den Wunsch hast, zu mir zu kommen, und es fällt dir dabei ein, daß dein Bruder etwas gegen dich hat - so gehe deinen Weg zu deinem Bruder und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, und dann komme mir voller Herzensabsicht zu mir, und ich werde dich empfangen.” (3. Nephi 12:23,24.)
Der Herr weist uns also an, uns erst sorgfältig zu prüfen, wenn wir den Wunsch haben, zu ihm zu kommen. Und wenn wir uns - in welchem Maße auch immer - des Zorns oder der Geringschätzung einem anderen Menschen gegenüber schuldig gemacht haben, und zwar unabhängig davon, ob der Betreffende uns gekränkt hat oder nicht, dann müssen wir uns mit ihm versöhnen, uns hei ihm entschuldigen und ihn um Verzeihung bitten. Nur so wird der Herr uns empfangen. Wenn wir uns nicht um eine Versöhnung bemühen, zeigen wir damit, daß wir nicht in voller Herzensabsicht handeln. Dann gilt uns die Verheißung nicht, daß der Herr uns empfangen wird.
Verglichen mit den Bedingungen des neuen Gesetzes des Erretters kommt es einem ziemlich leicht vor, das Verbot, einen anderen Menschen zu töten, zu befolgen. Doch der Herr hat verheißen, daß er uns in unserem Bemühen helfen wird, einen edleren Charakter zu entwickeln.

„Schließ ohne zögern Frieden mit deinem Gegner” (siehe Matthäus 5:25,26; 3. Nephi 12:25,26)
Diese Aufforderung wird oft dahingehend interpretiert, daß wir einem Gegner Versöhnungsbereitschaft entgegenbringen sollen, um Streitigkeiten, Prozessen oder Verfolgung aus dem Weg zu gehen. Natürlich sollen wir Frieden stiften (siehe Jakobus 3:18) und zur Zusammenarbeit bereit sein. Wir sollen sogar weltliche Kränkungen und Ungerechtigkeiten ertragen, wenn wir dadurch der gerechten Sache dienen (siehe 1 Petrus 2:12-23; 3:13-17; 4:12-19). Aber auf keinen Fall dürfen wir Abstriche von der Wahrheit und von rechtschaffenen Zielen machen, um das friedliche Zusammenleben mit unseren Mitmenschen zu gewährleisten.
Außerdem dürfen wir es auf keinen Fall zulassen, daß der Satan, unser schlimmster Feind, uns mißbrauchen kann. Seine Absicht ist klar: er will uns gefangennehmen (siehe 3. Nephi 12:25) und uns so elend machen, wie er selbst ist (siehe 2 Nephi 2:27). Sollen wir mit diesem Gegner auch ohne Zögern Frieden schließen? Würde er uns dann nicht gefangennehmen?
Frieden schließen bedeutet unter anderem auch, einen Disput beizulegen und eine Entscheidung zu treffen. Die Entscheidung, die wir in diesem Fall treffen müssen, besteht darin, daß wir festlegen, wie unser Verhältnis zum Widersacher aussehen soll. Und je schneller wir diese Entscheidung treffen, desto weniger hat er Gelegenheit, uns mit seiner Tücke zu beeinflussen.
Jakobus hat verheißen: „Leistet dem Teufel Widerstand; dann wird er vor euch fliehen.” (Jakobus 4:7.) Im Buch Mormon steht, daß das Wort Gottes „die Schlauheit und die Schlingen und die Tücken des Teufels” zerteilt (siehe Helaman 3:29). Der Herr hat verheißen, daß er „die Macht der Finsternis” vor uns zerstreuen wird, wenn wir auf die Worte der Propheten hören (siehe LuB 21:6). Er hat auch gesagt, daß wir nicht von bösen Geistern oder durch Teufelslehren oder Menschengebote verführt werden (siehe LuB 46:7), wenn wir uns um Inspiration durch den Geist Gottes bemühen und dessen Eingebungen befolgen.
Dem Teufel Widerstand leisten, die heiligen Schriften schätzen, nach den Eingebungen des Geistes streben und diese befolgen, auf den lebenden Propheten hören – all das ist wichtig und läßt sich schnell entscheiden und festlegen, so daß wir die richtigen Voraussetzungen haben, um mit unseren Gegnern Frieden zu schließen, und zwar unabhängig davon, ob es sich um den Teufel oder um Menschen handelt — um einen Todfeind oder scheinbar harmlose Gegner.

Vom Ehebruch und vom lüsternen Ansehen (siehe Matthäus 5:27-30; 3. Nephi 12:27-30)
Ehebruch zu begehen war schon immer eine schwerwiegende Sünde. Doch im neuen Gesetz nennt der Herr einen höheren Maßstab, nämlich Reinheit im Sinn und im Herzen. ,Wer eine Frau ansieht, daß es ihn nach ihr gelüstet, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch begangen." (3 Nephi 12:28.) Wer sich des Ehebruchs oder auch nur des lüsternen Ansehens schuldig macht,
muß vollständig Umkehr üben, um wieder in den Genuß des Geistes des Herrn zu kommen.
Was bedeutet es aber nun, jemanden „lüstern” anzusehen bzw. im Herzen Ehebruch zu begehen? Lust ist „heftiges, auf die Befriedigung sinnlicher, bes. sexueller Bedürfnisse gerichtetes triebhaftes Verlangen".' In der heiligen Schrift wird der Begriff „Herz” oft mit dem Charakter eines Menschen gleichgesetzt — mit seinem wirklichen Vorsatz und seinen wahren Wünschen (siehe Sprichwörter 23:7). Wenn jemand mit dem Objekt seiner Begierde tatsächlich Ehebruch begehen würde, wenn sich die Gelegenheit dazu böte, dann ist er ein Ehebrecher.
Aber was ist, wenn jemand nicht wirklich Ehebruch begehen würde, aber dennoch stark in Versuchung gerät? In einer von unsittlichen Stimulanzien durchdrungenen Welt ist man solchen Versuchungen unter Umständen jeden Tag ausgesetzt. Auch wenn man sich den Stimulanzien nicht entziehen kann, kann man doch den Herrn bitten, einem zu helfen, die eigenen Gedanken zu beherrschen und in andere Bahnen zu lenken. Man kann kompromittierende Situationen bewußt meiden und der Versuchung geradewegs widerstehen. Anstatt es zu zulassen, daß sich unanständige Gedanken einnisten, und diese zu pflegen und zu fördern, kann man ein Gebet sprechen oder ein erbauliches Lied singen, um diese Gedanken zu vertreiben oder wenigstens bewußt in positive Bahnen zu lenken.
Wenn man sich etwas Unanständiges vorstellt, können die Gedanken die Neigung des Herzens beeinflussen und vielleicht sogar das zukünftige Verhalten. Dr. Maxwell Maltz hat deutlich gemacht, welcher Zusammenhang zwischen den Gedanken und dem Nervensystem des Körpers besteht: „Verhaltensforscher und klinische Psychologen haben zweifelsfrei nachgewiesen, daß das menschliche Nervensystem nicht zwischen einem ,tatsächlichen` und einem lebhaft in allen Einzelheiten ausgemalten Ereignis unterscheiden kann.”'
Wenn wir unsere Gedanken disziplinieren und „nichts davon in unser Herz eindringen” lassen, nehmen wir unser Kreuz auf uns (3. Nephi 12:29,30) Jesus hat gesagt, daß wir unser Kreuz auf uns nehmen, wenn wir allem entsagen, was ungöttlich ist oder zu weltlicher Lüsternheit führt, und statt dessen seine Gebote halten. Dadurch können wir wirklich im Herzen rein werden.

Von der Ehescheidung (siehe Matthäus 5:31,32; 3. Nephi 12:31,32)
Jesus hat gesagt: ,Wer seine Frau entläßt, außer wegen Unzucht, der bewirkt, daß sie Ehebruch begeht; und wer eine Geschiedene heiratet, begeht Ehebruch." (3. Nephi 12:32.)
Dieses Gebot läßt die Frage aufkommen, ob das denn gerecht sei. Warum soll die Frau, die „entlassen" wird, bzw. der Mann, der sie später heiratet, des Ehebruchs für schuldig befunden werden, wo die Frau vielleicht nur das unschuldige Opfer des gottlosen Verhaltens ihres Mannes ist? Und wie muß diese Weisung heute verstanden werden? Warum dürfen sich die Mitglieder der Kirche scheiden lassen, und zwar nicht nur wegen sexueller Sünden, und später – sogar im Tempel – erneut heiraten, ohne dem Vorwurf des Ehebruchs ausgesetzt zu sein?
Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Wir wissen nichts darüber, ob der Erretter den Nephiten diese Weisung noch ausführlicher erklärt hat. Doch auch in der Bibel und in den Worten neuzeitlicher Propheten finden wir mehr zu diesem Thema, was uns das Verstehen erleichtert.
Was die Frage nach der Gerechtigkeit betrifft, so kann uns das Markusevangelium weiterhelfen. Er berichtet, daß Jesus und seine Jünger nach der öffentlichen Auseinandersetzung, die Jesus mit den Pharisäern über die Ehescheidung geführt hatte, nach Hause gingen, wo ihn die Jünger noch einmal zu diesem Thema befragten. Ihnen gab der Erretter zur Antwort:
„Wer seine Frau aus der Ehe entläßt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.
Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet.” (Markus 10:10–12.)
Beachten Sie bitte, daß sich laut dieser Erklärung derjenige des Ehebruchs schuldig macht, der seinen Partner „entläßt”, und nicht derjenige, der „entlassen” wird. Wir mögen uns nun fragen, was der Herr den Jüngern, die den aufrichtigen Wunsch hatten, die Wahrheit zu kennen, „zu Hause” wohl noch erklärt hat.
Aus der Antwort, die der Erretter den Pharisäern gab, läßt sich einiges entnehmen. Sie stellten das, was Jesus über die Ehescheidung gesagt hatte, in Frage, weil es nicht mit dem übereinstimmte, was im Gesetz des Mose stand. „Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.” (Matthäus 19:8.) Es war kein Kompliment für die Israeliten, die zur Zeit des Mose lebten, daß der Herr ihnen einen geringeren Maßstab an die Hand gab als das, was Gott „am Anfang” beabsichtigt hatte. Dieser Maßstab wurde ihnen nur deshalb erlaubt, weil sie „so hartherzig” waren.
Ist dies nun so zu verstehen, daß Gott bestimmte Maßstäbe der Gehorsamsbereitschaft seiner Kinder anpaßt? Elder Ezra Taft Benson hat zu diesem Punkt Stellung genommen:
„Gott muß durch Menschen wirken, die unterschiedlich weit geistig Fortschritt gemacht haben. Manchmal gewährt er Menschen ihre unklugen Bitten, damit sie aus ihren eigenen traurigen Erfahrungen lernen. Dies wird manchmal auch als ,Samuelsprinzip' bezeichnet. Die Kinder Israel wünschten sich einen König, wie ihn alle anderen Völker hatten.... Der Herr trug Samuel auf, das Volk vor den Folgen der Königsherrschaft zu warnen. Samuel tat das auch, aber sie wollten trotzdem einen König haben. Also gab Gott ihnen einen König und ließ sie leiden.... Gott hätte es lieber anders gehabt, aber innerhalb bestimmter Grenzen gewährt er den Menschen die Erfüllung ihrer Bitten. Doch schlechte Erfahrungen sind eine teuere Schule, die nur der Tor für lange Zeit besucht. (Siehe 1 Samuel 8.)
Manchmal laufen wir den falschen Vorstellungen der Welt nach, was Erziehung, Politik, Musik und Kleidung betrifft. Wir wollen die Welt nachahmen, anstatt auf den Rat des Propheten zu hören. Neue weltliche Maßstäbe kommen auf und gehen allmählich wieder unter, bis das gedemütigte Volk schließlich nach vielem Leiden wieder bereit ist, sich im höheren Gesetz unterweisen zu lassen.
Doch während überall allmählich die Maßstäbe herabgesenkt werden, müssen die Rechtschaffenen nach den höchsten Maßstäben leben, die ihnen möglich sind. Sie dürfen anderen diese Maßstäbe aber nicht aufzwingen, sondern sollen sich vielmehr für die bessere Zeit bereitmachen, die ganz sicher kommen wird.”'
Elder Bruce R. McConkie hat diesen Grundsatz auch auf die Ehescheidung bezogen: „Die Ehescheidung gehört nicht zum Plan des Evangeliums.... Doch weil der Mensch nicht immer so lebt, wie es die Maßstäbe des Evangeliums vorschreiben, erlaubt der Herr, daß eine Ehe aus diesem oder jenem Grund geschieden wird, und zwar unter Berücksichtigung der geistigen Festigkeit der Betreffenden. ... Wenn die äußeren Umstände vollkommen wären, würde eine Ehescheidung nur im Fall sexueller Sünde gestattet. In unserer Zeit ist die Ehescheidung in Übereinstimnung mit den Landesgesetzen erlaubt, und die Kirche gestattet es jedem Geschiedenen, eine neue Ehe einzugehen, ohne den Makel der Unsittlichkeit zu tragen, der solchem Verhalten in einem höheren System anhaften würde.”
Wenn wir nicht bereit sind, nach einem höheren Gesetz zu leben, schenkt der Herr uns gelegentlich einen geringeren Maßstab, der uns „in Zucht” halten soll (siehe Galater 3:24). Doch das Ziel besteht natürlich nicht darin, das niedrigere Gesetz zu halten, das nicht ausreicht, um uns zu erhöhen (siehe Mosia 3:13–17; 12:31–33; 13:28-35). Das geringere Gesetz ist ein zeitlich begrenztes Gesetz, eine Minimalvorschrift, die uns für das Leben nach der Fülle des Gesetzes Christi bereitmachen soll. Wer erhöht werden möchte, muß sich durch Umkehr und Gehorsam so verändern, daß er das „Gesetz eines celestialen Reiches” ersehnt und befolgt. (Siehe LuB 88:22.)
Man könnte noch viel mehr ehrlich gemeinte Fragen zur Ehescheidung in bestimmten Umständen stellen. Obwohl nicht alle Fragen in der heiligen Schrift beantwortet werden, finden wir hier doch Führung. Joseph Smith hat erklärt: „Die Regierung des Himmels hält sich an dieses Prinzip: Offenbarung, die den Umständen angepaßt ist, worin sich die Kinder des Reiches befinden." Solche Offenbarung ergeht durch die bevollmächtigten Knechte des Herrn, die angeleitet werden, Richtlinien und Bestimmungen zu erlassen, die den derzeitigen Bedürfnissen der Mitglieder entsprechen. Wenn wir auf die Propheten hören, wird der Herr uns „die Reichtümer der Ewigkeit” schenken. (Siehe LuB 78:18.)

Vom Schwören (siehe Matthäus 5:33-37; 3. Nephi 12:33-37)
Zur Zeit des Mose wurde erwartet, daß niemand einen „Meineid” schwor. Jeder mußte seinen Eid so halten, als ob er ihn dem Herrn geschworen hätte. Dies führte dazu, daß die Menschen übereilt törichte Schwüre abgaben, die sie dann auch einhielten.
Der Herr aber lehrte etwas Besseres, nämlich daß man keinen Eid und keinen Schwur braucht, um die Ernsthaftigkeit dessen zu bestätigen, was man sagt. Statt einen Eid zu schwören, sollen wir unsere Worte lieber aus ehrlichem Herzen untermauern und unsere Zustimmung bzw. Ablehnung mit einfachen Worten bestätigen: ja heißt ja, und nein heißt nein. Elder James E. Talmage hat erklärt, was die Ermahnung des Herrn wirklich aussagt: „Mäßigkeit in der Sprache, Eindeutigkeit und Schlichtheit sind erforderlich, und es darf kein Fluchen, keine unanständigen Wörter und keinen Eid mehr geben."
Es ist doch töricht, auf den Himmel oder die Erde oder das eigene Haupt einen Eid zu schören, denn der Mensch vermag „nicht ein einziges Haar schwarz oder weiß zu machen” (3. Nephi 12:36). Darüber haben wir keine Macht; solche Macht hat nur der Herr. Deshalb
kann letztlich nur der Herr die Erfüllung eines Eides garantieren, aber wir können ihn nicht mit unseren uninspirierten Worten zu etwas verpflichten.

Von der Vergeltung (siehe Matthäus 5:38-42; 3. Nephi 12:38-42)
Der Herr widerrief das Gesetz von der Wiedergutmachung, das er den geistig unreifen Israeliten Jahrhunderte zuvor gegeben hatte. (Siehe Exodus 21:23-25.) Anstatt „Auge für Auge, Zahn für Zahn” (siehe Vers 24) zu fordern, müssen wir auch die andere Wange hinhalten, mehr geben, als das Gesetz verlangt, aus freien Stücken die zweite Meile gehen, wenn uns jemand gezwungen hat, eine Meile mit ihm zu gehen, und dürfen den nicht abweisen, der von uns borgen will.
Ist dies nun als Aufruf zur vollständigen Unterwerfung unter die Forderungen anderer zu verstehen? Wie buchstabengetreu und in welchem Ausmaß müssen wir diese Weisungen heute befolgen? Wenn jemand uns körperliche Schmerzen zufügen oder uns sogar umbringen will, dürfen wir uns da nicht wehren? Im Buch ,Lehre und Bündnisse` heißt es, daß jeder Mensch berechtigt ist, sich „gegen ungesetzliche Anschläge und Übergriffe von jeglicher Seite zu verteidigen, wenn eine zwingende Notlage vorliegt, so daß die Gesetze nicht sofort zur Geltung gebracht werden können und Abhilfe nicht möglich ist” (LuB 134:11).
Wir können anhand von ähnlichen Fragen und Schriftzitaten die Beispiele prüfen, die der Erretter genannt hat, um die neuen Weisungen zu verdeutlichen. Woher aber wissen wir, was wir in einer bestimmten Lage tun sollen? Die Antwort steht jedem offen, der zu Christus kommt (siehe Moroni 10:32) und auf dem Weg eintritt, denn er empfängt den Heiligen Geist, und der wird ihm alles zeigen, was er tun soll (siehe 2. Nephi 32:5). Diese gnadenreiche Verheißung gilt für alle, die „dem Sohn mit voller Herzensabsicht” nachfolgen, indem sie keine Heuchelei und keine Täuschung vor Gott verüben, sondern ihm mit wirklichem Vorsatz folgen (siehe 2. Nephi 31:13).

Von der Liebe zu den Feinden (siehe Matthäus 5:43-47; 3. Nephi 12:43-45)
Die Aussage: „Es steht auch geschrieben: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen” (3 Nephi 12:43), ist ganz sicher weder ein Zitat aus der Bibel noch aus dem Buch Mormon. Vielleicht bezieht sich der Erretter hier auf andere Schriften wie beispielsweise die Schriftrollen vom Toten Meer, in denen der Leser aufgefordert wird, „alle Söhne des Lichts zu lieben” und „alle Söhne der Finsternis zu hassen
Woher dieser Gedanke auch immer stammen mag — der Erretter har uns aufgefordert, unsere Feinde zu liehen, damit wir Kinder unseres Vaters im Himmel seien (siehe 3. Nephi 12:45). Doch sind wir nicht alle schon sowieso Kinder des himmlischen Vaters?
Gott ist zwar der Vater unseres Geistes, aber um sein Kind sein zu können, ist noch eine weitere Dimension vonnöten: Wir müssen nämlich „für Gott gezeugte Söhne und Töchter” werden (siehe LuB 76:24), und zwar durch das Sühnopfer Christi. Wenn wir durch die Macht des Sühnopfers von neuem geboren werden, werden wir Kinder der erhöhten Gottesfamilie und Miterben Christi (siehe Römer 8:17; LuB 76:50-70, 84:36-38, 132:19-24 .)
Um in den Genuß der genannten Segnungen zu kommen, müssen wir Nächstenliebe besitzen, nämlich die reine Christusliebe (siehe Moroni 7:47). Doch wie eignet man sich solche Nächstenliebe an? Solche Liebe ist eine Gabe, die uns vom Geist Gottes verliehen wird, nämlich allen, „die wahre Nachfolger seines Sohnes Jesus Christus sind” (Moroni 7:48). Und wer ein wahrer Nachfolger Christi sein will, muß diejenigen segnen, die ihm fluchen, denen Gutes tun, die ihn hassen, und für die beten, die ihn mißhandeln und verfolgen (siehe 3. Nephi 12:44).
Wenn wir uns ernsthaft bemühen, alles Genannte zu tun, machen wir uns bereit, von neuem geboren zu werden, „ja, geboren aus Gott, aus ihrem fleischlichen und gefallenen Zustand umgewandelt in einen Zustand der Rechtschaffenheit, so daß sie, indem sie Gottes Söhne und Töchter werden, durch ihn erlöst werden” (Mosia 2:25). Und mit dieser mächtigen Wandlung geht auch einher, daß wir unsere Feinde liehen (siehe Mosia 5:2).

Die Aufforderung des Erretters (siehe Mätthäus 5:48; 3. Nephi 12:48)
Als Jesus diesen Teil seiner Rede beendete, sagte er noch, das alte Gesetz habe sich mit seinem Kommen erfüllt und alles sei neu geworden. Nun müßten wir uns im Umgang miteinander an ein höheres Gesetz halten.Dann fordert er uns auf, vollkommen zu werden, wie Jesus und der Vater vollkommen sind. Der Wortlaut von Matthäus 5:48 und 3 Nephi 12:48 unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt: Im Matthäusevangelium wird nämlich nur gesagt, daß der himmlische Vater vollkommen sei, während in 3. Nephi auch der Erretter als vollkommen bezeichnet wird. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß das Matthäusevangelium vom Leben Christi berichtet, der damals ja noch nicht auferstanden und noch nicht in celestialer Herrlichkeit vollkommen gemacht worden war.
Außerdem wird uns in Matthäus das Gebot gegeben, vollkommen zu sein. Doch in 3. Nephi gibt der Herr mehr seinem Wunsch Ausdruck: „Darum möchte ich, daß ihr vollkommen seiet.” (Vers 48.)
Ist es nicht ein bestechender Gedanke, daß wir schließlich durch Christus vollkommen werden können und daß der Erretter uns dabei unterstützt? Auch die Ermahnung König Benjamins kann uns Ansporn und Trost gehen, sofern wir die Aufforderung des Erretters annehmen, nach dem höheren Gesetz zu leben: „Und seht zu, daß dies alles in Weisheit und Ordnung geschieht; denn es ist nicht erforderlich, daß der Mensch schneller laufe, als er Kraft hat. Und weiter: Es ist ratsam, daß er eifrig sei, auf daß er dadurch den Preis gewinne; darum muß alles in Ordnung geschehen.” (Mosia 4:27.)


Larry E. Dahl., November 1999

Die Götzen der heutigen Zeit nicht anbeten wollen

Die Form der Götzen mag sich seit Mose geändert haben, doch das Gebot, nur Gott anzubeten, gilt noch heute.

Als junger Missionar verbrachte ich die Zeit vor meiner Abreise nach Irland im Missionshaus in Salt Lake City. Eines Abends unterhielten sich die Missionare in meinem Zimmer über die Gründe, warum sie auf Mission gingen. Ein Missionar erzählte, daß er fast nicht auf Mission gegangen sei, weil er es nicht übers Herz gebracht habe, sein Auto — das Wichtigste in seinem Leben — zurückzulassen. Dann roch er eines Tages Rauch und rannte in die Garage, wo er sah, daß der Motor Feuer gefangen hatte. Weil es das Auto nun nicht mehr gab, hatte er seine Prioritäten neu überdacht.
Das zweite der Zehn Gebote, die der Herr dem Mose gab, lautet: „Du sollst dir kein Gottesbild machen.”
(Exodus 20:4.) Dieses Gebot sollte Israel ursprünglich gegen den Götzendienst wappnen, der im Land Kanaan weit verbreitet war. Doch es gilt auch für uns heute. Wir müssen uns einmal prüfen und feststellen, ob wir uns vielleicht Gottesbilder gemacht haben und diese anbeten. Überall gibt es heutzutage „goldene Kälber” – greifbare wie beispielsweise ein Auto und andere, die nicht so greifbar sind (siehe Exodus 32). Wenn wir uns von etwas Vergänglichem beherrschen lassen, was unsere Glaubenstreue aufweicht und die Reihenfolge unserer Prioritäten ändert, so daß Gott und sein Werk erst an zweiter Stelle stehen, dann betreiben wir Götzenverehrung.
„Der Ausdruck ,neben mir' in der Einheitsübersetzung, wo es heißt: ,Du sollst neben mir keine anderen Götter haben', ist die Übersetzung des hebräischen ,al-panai`, was ,vor` bedeutet und in diesem Zusammenhang als ,vorgezogen` oder ,zusätzlich` zu verstehen ist. Die Bedeutung ist ganz klar – wer den Herrn anbetet, darf nichts anderes anbeten.”
Sowohl im ersten als auch im zweiten Gebot werden wir aufgefordert, nichts in unserem Leben wichtiger werden zu lassen als Gott. Wir wissen natürlich, daß es dem Herrn Freude bereitet, uns mit den notwendigen materiellen Dingen und mit Freude zu segnen. Schwierig wird es nur, wenn wir statt des Schöpfers das Erschaffene anbeten. Was für Folgen bringt neuzeitliche Götzenverehrung mit sich, und wie können wir verhindern, daß wir dieses Gebot des Herrn übertreten?

GOLDENE KÄLBER HEUTE
Präsident Spencer W. Kimball hat geschrieben: „Es gibt heute leider Millionen, die sich vor Abbildern aus Gold und Silber, Holz, Stein und Ton niederwerfen. Der Götzendienst, der uns hier die größte Sorge macht, ist aber die bewußte Verehrung ganz anderer Götter. Manche sind aus Metall und Plüsch und Chrom, aus Holz und Stein und Stoff. Sie sind kein Abbild Gottes oder eines Menschen, sondern dazu geschaffen, dem Menschen Bequemlichkeit und Genuß zu vermitteln, seine Wünsche und seinen Ehrgeiz, seine Leidenschaften und Triebe zu befriedigen. Manche treten gar nicht in materieller Form auf, sondern sind immateriell.”
Ich habe einige Heilige der Letzten Tage gefragt: „‚Wie läßt sich das zweite Gebot heute anwenden?” Die folgenden Antworten bilden einen Auszug aus den Antworten, die ich erhalten habe:
*„Die heilige Schrift fordert uns auf, immer an Gott zu denken. Doch viele Menschen denken heute an Reichtum, Macht und Ruhm. Sie beten ihren Besitz an, sie liehen etwas, was kein Leben in sich hat.”
*,Wir dienen uns viel zu oft selbst, wenn wir eigentlich dem Herrn dienen sollten. Wir dürfen nicht unsere Zeit anbeten — auch sie ist ein Götze, der häufig den Platz Gottes einnimmt. Gott fordert uns auf, unsere Zeit zu opfern, damit auch wirklich er und nicht unsere egoistischen Interessen an erster Stelle stehen."
* Die Götzen der Menschen von heute sind Kleidung, Autos, Häuser,
Hobbys und Freizeitgestaltung. Die Tatsache, daß ich morgens länger brauche, um zu entscheiden, was ich anziehe, als um ein Gebet zu sprechen, spricht doch Bände."
* In Alma1:32 heißt es: ,Diejenigen, die nicht ihrer Kirche angehörten, gaben sich Zaubereien und dem Götzendienst oder Müßiggang hin.' Darüber hatte ich vorher noch nie nachgedacht: Müßiggang ist auch eine Art von Götzendienst."
*"Geld ist der Götze, vor dem sich heute die meisten Menschen niederwerfen. Sie werfen sich nieder, indem sie ihre Ehrlichkeit im Umgang mit anderen Menschen aufgeben, um Geld zu verdienen. Und dabei machen sie gleichzeitig auch Abstriche von ihren Prinzipien."
*"Allzuoft macht jemand einen Menschen zu seinem Götzen. Weil wir Angst vor der Meinung der anderen haben, dienen wir unseren Mitmenschen nicht und sind nicht freundlich zu denjenigen, auf die die Gesellschaft herabblickt. Wir verehren das Lob und die Ehre, die andere uns geben; wir wünschen uns nichts mehr als die Anerkennung anderer Menschen. Wir wollen die richtigen Titel und Auszeichnungen. Wir wollen die richtige Kleidung tragen. Wir wollen beliebt sein."
Manche Befragten meinten auch, der große Wert, der in der Gesellschaft auf das Aussehen eines Menschen gelegt würde, könnte zu einer Form des Götzendienstes führen. Natürlich ist es wichtig, einen sauberen, gesunden Körper zu haben, doch manche Menschen tun alles nur Erdenkliche, um auszusehen wie die schönen Männer und Frauen, die uns in Werbeanzeigen, in der Zeitung und aus dem Fernseher entgegenlächeln. In unserer Gesellschaft wird Glück viel zu oft mit Schönheit gleichgesetzt. Und weil viele Menschen sich vergebens bemühen, so auszusehen wie die unrealistischen Werbefiguren, sind sie ständig unzufrieden. Eine meiner Studentinnen hat mir das folgende Erlebnis erzählt:
„Ich hatte meine alte Schule verlassen, wo ich bei allem dabeigewesen war. Auf der neuen Schule fühlte ich mich wie ein Nichts. Ich kannte niemanden, und niemand kannte mich. Verzweifelt wünschte ich mir, dazuzugehören.
Als ich mir die beliebtesten Schüler anschaute, sah ich, daß die Mädchen, denen die größte Aufmerksamkeit zuteil wurde, durchweg schlank und hübsch waren. Außerdem schmückten zierliche Mädchen die Titelseiten der Zeitschriften, Werbeplakate und Fernsehsendungen. Ich schaute mir meinen Körper an und sah, daß er anders war. Deshalb sagte ich mir, ich könne nur dann wieder so beliebt werden wie vor meinem Umzug, wenn ich schlank sei. Darum fing ich an, eine Schlankheitskur zu machen.
Ich hatte eigentlich nur ein paar Kilo abnehmen wollen, doch dann las ich einen Zeitschriftenartikel, in dem es um Eigenschaften ging, die ein Mann sich von einer Frau wünscht. Der bestaussehende Mann
sagte: ,Ein Mädchen kann gar nicht dünn genug sein.' Daraus schloß ich, daß ich noch dünner werden mußte, wenn ich wollte, daß der Junge, für den ich mich interessierte, mich attraktiv fand. Noch immer hatte ich nämlich keinen Kontakt zu den beliebtesten Schülern gefunden und kannte kaum jemanden. Ganz offensichtlich war ich nicht dünn genug.
Deshalb machte ich also weiter Diät und trieb Sport. Trotzdem wurde ich nicht so anerkannt, wie ich es mir wünschte. Nach fünf Monaten des Hungerns und der Depressionen wurde ich schließlich ins Krankenhaus eingeliefert. Ich wog nur noch vierzig Kilo.
Ich hatte mich täuschen lassen. Schlank sein heißt nicht glücklich sein. Jetzt ist mir klar, daß Glück mir geistigem Wachstum einhergeht und von innen kommt. Wenn man sich nur auf weltliche Beliebtheit konzentriert, dann kann man kaum geistig Fortschritt machen. Ich habe gemerkt, daß man wahres Glück nur dadurch finden kann, daß man sich bemüht, dem Herrn zu gefallen.”
Ein weiteres neuzeitliches „goldenes Kalb” entsteht dann, wenn Mitglieder Rat annehmen, der dem Rat der Führer der Kirche widerspricht. über Almon Babbit hat der
Herr gesagt: Es „gibt vieles, was mir nicht gefällt; siehe, er strebt danach, seinen eigenen Rat durchzusetzen und nicht den Rat, den ich verordnet habe, nämlich den der Präsidentschaft der Kirche, und er richtet ein goldenes Kalb auf, daß mein Volk es anbete.” (LuB 124:84.)
Wenn wir einen Rat befolgen, der nicht mit dem Rat unserer Propheten und Apostel übereinstimmt, dann ist das genauso, als ob wir ein goldenes Kalb anbeten. So wie ein Götzenbild kein Leben in sich hat, so gibt
es auch außerhalb der Wahrheiten, die Gott uns durch seine Propheten zuteil werden läßt, keine Macht zur Errettung. Der Apostel Johannes hat uns erklärt, wie man solche Götzen erkennen kann: „Wir [die Apostel] aber sind aus Gott. Wer Gott erkennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.” (1 Johannes 4:6.)

WAS GESCHIEHT, WENN MAN GÖTZEN VEREHRT
In alter Zeiten gab es schwere Strafen für Götzenverehrung: Die Städte der Götzenanbeter wurden vernichtet, ihr Land verwüstet und die Bewohner zerstreut (siehe Levitikus 26:30-33). Israel wurde ermahnt, daß Götzenbilder „Trug” seien und „kein Atem in ihnen” sei (siehe Jeremia 10:14,15). Wer Götzen anbetet, dessen Herz ist geteilt (siehe Hosea 10:2), und er läuft ins Verderben (siehe Deuteronomium 4:16). Jesaja bezeichnet Götzenbilder als „windig und wesenlos” (Jesaja 41:29).
Götzenverehrung führt auch heute noch zu Verwirrung, Verderben und einem geteilten Herz. Da materieller Besitz nicht erretten kann, entfernt sich jeder, der darauf vertraut, schließlich von Gott und seinem Reich. Die folgenden wahren Berichte zeigen auf, was folgt, wenn man weltliche Dinge vor Gott stellt:
* Mein Freund, ein begnadeter Verkäufer, begann, auch am Sonntag zu verkaufen. Und als er immer mehr Erfolg hatte, verlor er sein Zeugnis. Heute macht er sich über ,törichte` religiöse Bräuche lustig. Das hat sich auf seine ganze Familie ausgewirkt.
* Keiner ist mehr glücklich, aber sie haben Geld. Er hat das Geld verehrt, und jetzt ist es ihm zum Fluch geworden."
* Ein Junge in meinem Bekanntenkreis hat sich ganz dem Bodybuilding verschrieben, und er hat jetzt auch riesige Muskeln. Er ist aber nicht auf Mission gegangen, weil er Angst hatte, daß sich die Muskeln wieder zurückbilden könnten."
Einer Frau waren im Teenageralter Alkohol und Drogen wichtiger als der Herr. Ihre Sucht führte dazu, daß später ihre Ehe scheiterte. Außerdem ging diese Sucht auf ihre Kinder über. Sie merkte noch rechtzeitig, daß sie sich ändern mußte, und kam in die Kirche zurück. Schließlich ging sie auch in den Tempel. Aber der Schaden war schon da. Die Götzenverehrung der Mutter spiegelt sich in der Lebensführung ihrer Kinder wider.

VOR GÖTZENVEREHRUNG AUF DER HUT SEIN
Wir können uns dem Einfluß der Götzen nur dadurch entziehen, daß wir Gott zum Mittelpunkt unseres Denkens machen. Wenn wir das tun, erfüllen wir den wirklichen Zweck des Lebens.
Als ich ein Junge war, war Surfen mein ganzer Lebensinhalt. Wenn ich nicht surfte, dachte ich ans Surfen. Jahre später, nachdem ich mich der Kirche angeschlossen hatte, auf Mission gegangen war, im Tempel geheiratet hatte und Vater von drei Kindern geworden war, nahm ich die Aufgabe an, an der Brigham-Young-Universität Hawaii zu unterrichten. Wieder fühlte ich mich zum Meer hingezogen, und ich mußte mich immer beherrschen, damit ich nicht zu viel Zeit im Wasser verbrachte. Es fiel mir leicht, das Meer, die Wellen und die Freiheit, die ich heim Surfen spürte, über alle Maßen zu schätzen. Doch bald wurde mir bewußt, daß ich meine Prioritäten ändern mußte. Ich tat alles Notwendige, um das Surfen an die richtige Stelle in meinem Leben zu rücken — nämlich als schönes Hobby und sportliche Betätigung.
In einem solchen Fall ist es gar nicht so sehr die Aktivität an sich, die Schaden anrichten kann;
das Schwierige daran ist die Ausgewogenheit. Wir dürfen uns solcher Segnungen erfreuen, aber wenn wir es übertreiben, rutschen wir schnell in Sünde ab. Wenn die Vergötterung einer Aktivität Schuld daran trägt, daß wir weniger „tapfer im Zeugnis von Jesus” (LuB 76:79) werden, dann haben wir das zweite Gebot übertreten.
Wir müssen auch der Versuchung aus dem Weg gehen, sowohl Gott als auch weltliche Götzen gleichermaßen zum Mittelpunkt unseres Lebens machen zu wollen. Es ist unmöglich, beiden zu dienen, „Gott und dem Mammon” (Matthäus 6:24). Abraham ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie jemand, der mit materiellem Reichtum gesegnet war, diese Gaben in die richtige Reihenfolge brachte. Das gelang ihm, weil er Jahwe sein ganzes Herz geschenkt hatte.
Terach, Abrahams Vater, war ein Götzendiener. Und trotzdem wünschte Abraham sich „mehr Glück und Frieden und Ruhe” und trachtete deshalb „nach den Segnungen der Väter” (Abraham1:2.) Dieser rechtschaffene Wunsch befähigte ihn, sich von der Götzenverehrung abzuwenden. Und weil er das Evangelium voll und ganz angenommen hatte, konnte er auch die größeren Segnungen des Priestertums erlangen.
Die Geschichte von Lots Frau steht in krassem Gegensatz dazu. Sie befand sich zwar auf dem Weg fort von Sodom und Gomorra, aber ihr Herz hing noch an den Götzen, die sie dort zurückgelassen hatte. Und indem sie zurückblickte, verlor sie alles (siehe Genesis 19:1—26). Jesus sagte einmal
zu einem seiner Jünger: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.” (Lukas 9:62)
Wir können Gott und Götzen nicht gleichzeitig dienen. Jakobus hat geschildert, wie jemand wird, der das versucht: „Er ist ein Mann mit zwei Seelen, unbeständig auf all seinen Wegen.” (Jakobus 1:8.) Um das Evangelium anzunehmen, brauchen wir „Herzenslauterkeit”. Das bedeutet, daß wir nicht die Hand nach der Frucht vom Baum des Lebens ausstrecken und uns gleichzeitig heimlich einen Platz im großen und geräumigen Gebäude auf der anderen Seite reservieren können. (siehe 1. Nephi 8:11.)
Der Satan möchte uns gerne einreden, Erfolg bestehe darin, viele materielle Besitztümer zu haben. Er tut so, als ob wir an der Anzahl der Götzenbilder gemessen würden, die wir erlangen. Er ist auch der Urheber dessen, was Nehor glaubte, nämlich daß alle Menschen „am letzten Tag errettet” würden (siehe Alma 1:4). Außerdem hat er die Lehre in die Welt gesetzt: „Iß und trink und sei lustig, denn morgen sterben wir, und es soll uns wohl sein.” (2. Nephi 28:7.) Diese Lehren sind nichts anderes als der Aufruf zur Götzenverehrung. Und den Folgen – schwerwiegenden Folgen – kann man nicht entgehen. Götzenverehrung befriedigt gegenwärtige Wünsche und hält die Menschen davon ab, nach ewigen Reichtümern zu streben. Götzenverehrung lenkt uns von Gott ab Um uns gegen Götzenverehrung zur Wehr zu setzen, müssen wir uns daher auf das konzentrieren, was uns hilft, an den Herrn zu denken. Brigham Young hat erklärt, wie das geht:
„Wir brauchen die Versammlungen am Sabbat und die Gemeindeversammlungen ... , um zu unterrichten, zu sprechen, zu beten, zu singen und zu ermahnen. Wozu? Damit wir unseren Gott und unsere heilige Religion nicht vergessen. Ist dieser Brauch notwendig? Ja, weil wir so gern vergessen — so leicht irregehen, daß uns das Evangelium ein-, zwei-, gar dreimal in der Kirche in den Ohren klingen muß, sonst, sieh da, wenden wir uns nämlich wieder unseren Götzen zu."
Wenn wir uns oft versammeln, konzentrieren wir uns auf positive Bilder, die uns unterweisen und unsere Aufmerksamkeit auf wichtige Bereiche der Mission Christi lenken (siehe LuB 20:75.) Wenn wir beispielsweise daran denken, daß Jesus „der Fels unserer Errettung” ist, der wahre Hirt, der „Erlöser”, der „Quell des lebendigen Wassers” und der „König der Könige”, dann entstehen vor unserem geistigen Auge eindrucksvolle Bilder in Zusammenhang mit unserem Verhältnis zu Christus (2. Nephi 9:45; Helaman 15:13; LuB 18:11 ; Jeremia 2:13; 1 Timotheus 6:14,15). Ein Erretter ist jemand, der rettet; ein Fels ist unverrückbar; ein Hirt ist jemand, der für seine Herde sorgt. Wenn wir uns an solchen Bildern weiden, wappnen wir uns gegen die Gegenbilder, zu deren Anbetung und Nachahmung der Satan uns verführen will.
Wahre Gottesverehrung regt Gottes Kinder an, ihm nachzueifern. Alma hat die Mitglieder der Kirche in Zarahemla gefragt: „Habt ihr sein Abbild in euren Gesichtsausdruck aufgenommen?” (Alma 5:14.) Ein Schriftsteller hat erklärt, ein ,Abbild` sei „nicht nur eine äußerliche visuelle Erscheinung, sondern auch eine lebendige Darstellung, eine ausdrucksvolle Zurschaustellung, ein vollkommenes Gleichnis von etwas. Das kann ein Mensch oder ein Gegenstand sein, der einem anderen stark ähnelt, eine Kopie oder ein Gegenstück. Das Abbild Christi in seinen Gesichtsausdruck aufnehmen bedeutet also, daß man sich so verhält wie er, daß man das Leben des Herrn widerspiegelt.” 4 Wenn wir das Bild Christi nicht in uns tragen, werden wir bei seinem Erscheinen auch nicht zu denjenigen gehören, die ihm ähnlich sind und die er als seine Kinder anerkennt (siehe 1 Johannes 3:2).
Es störte Mose wohl, daß der Satan ihn einen „Menschensohn” nannte. Er gab zurück: „Ich bin ein Sohn Gottes, nach dem Ebenbild seines Einziggezeugten.” (Mose 1:12,13) Dem können wir nur entgehen, wenn wir uns wieder auf Gott besinnen.
Ein Student hat geschrieben:
„Ich kann mich an Zeiten in unserer Familie erinnern, wo mein Vater abends lange im Büro blieb und sich wenig um uns Kinder kümmerte. Er hatte immer großen Streß, und ich glaube nicht, daß er seine Schwierigkeiten dem Herrn vortrug, wie es richtig gewesen wäre. Statt dessen verbrachte er immer mehr Zeit damit, Geld zu verdienen. Es war, als ob Geld sein Götze war und er seine ganze Zeit und seine ganzen Mittel einsetzte, um mehr davon zu bekommen.
Ich weiß nicht genau, wann sich das geändert hat. Aber auf einmal waren wir alle wieder öfter zusammen. Wir beteten häufiger gemeinsam, und wir waren alle glücklicher als vorher. Man konnte schnell merken, daß sich mein Vater dem Herrn zugewandt hatte, und seitdem ist unsere Familie immer gesegnet worden.”
Auf die Frage eines Gesetzeslehrers: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?” nannte der Herr den Schlüssel für das Halten des zweiten der Zehn Gebote: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.” (Matthäus 22:36-38;.)

Dennis Largey, März 1998

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Dadurch, daß wir dem himmlischen Vater wahrhaft dienen, bemühen wir uns, all dessen würdig zu sein, was wir sind und werden können.

Ich hatte den Vorteil, in meiner Kindheit viele großartige Menschen kennenlernen zu dürfen und mich von ihnen beeinflussen zu lassen. Aber besonders dankbar bin ich für den nachhaltigen Einfluß meiner Mutter. Sie hat mich viel über Gott gelehrt. Ich brachte ihr nicht deshalb Liebe und Gehorsam entgegen, weil sie eine Autoritätsperson war, sondern weil sie ein ganz besonderer Mensch war. Selbst wenn sie keine Autoritätsperson mehr gewesen wäre, hätte ich ihr trotzdem gehorcht.
So geht es mir auch mit Gott. Wenn man ihn und nur ihn verehrt, hält man damit natürlich auch das folgende Gebot: „Ich hin Jahwe, dein Gott…. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.” (Exodus 20:2, 3.) Ich verehre ihn aber nicht nur wegen dieses Gebotes. Ich höre auf seinen Rat, gehorche ihm, liebe ihn, vertraue ihm und habe keine anderen Götter neben ihm, und zwar nicht nur deshalb, weil er Gott ist, sondern auch, weil er mein vollkommen liebender und allweiser Vater ist.
Wer sich mit dem Alten Testament befaßt, erkennt schnell denGrund für das erste Gebot. Gott fragt: „Mit wem wollt ihr mich vergleichen, neben wen mich stellen?” (Jesaja 46:5.) Die Menschen, von denen im Alten Testament berichtet wird, wußten, daß niemand Gott gleich war. Hanna beispielsweise pries ihn mit den folgenden Worten: „Niemand ist heilig, nur der Herr; denn außer dir gibt es keinen Gott; keiner ist ein Fels wie unser Gott.” (1 Samuel 2:2.)

GOTT IST UNSER VATER
Als ich ein Kind war, erklärte mir meine Mutter das Wesen Gottes anhand einer Geschichte aus ihrer eigenen Kindheit: „Als ich ein kleines Mädchen war, ging ich zusammen mit meinem Bruder von der Schule nach Hause. Wir nahmen immer eine Abkürzung, die uns an einem großen schwarzen Hund vorüberführte, der hinter uns herjagte, wenn wir an seinem Haus vorbeikamen. Wenn wir zur rechten Zeit zu laufen begannen, schafften wir es bis zum Zaun, wo wir in Sicherheit waren. Mein Bruder sagte mir immer, wann ich loslaufen sollte.
Doch eines Tages war ich allein und rannte nicht zur rechten Zeit los. Der Hund holte mich ein, und ich blieb vor Angst wie festgenagelt auf dem Bürgersteig stehen. Als er auf mich losstürzte, schrie ich, so laut ich konnte: ,Himmlischer Vater, hilf mir!’”
Dann erzählte sie weiter, daß der Hund plötzlich stehenblieb, als ob sich ihm etwas in den Weg gestellt habe, und sie schnell unter dem Zaun durchkroch und sich so in Sicherheit brachte. Sie wußte, daß ihr Beten erhört worden war.
Diese Geschichte hat mir viel über den Gott gezeigt, den meine Mutter verehrte. Sie hat mir ein Gefühl der Sicherheit geschenkt und einen Trost, den ich nicht in Worte hätte fassen können.
Im Laufe der Jahre habe ich das Beten immer besser verstanden, und mir ist bewußt geworden, daß der Herr uns immer zuhört und uns segnet, auch dann, wenn wir keine deutliche, direkte Antwort auf unser Beten hören. Er überbrückt die Ewigkeit, um seinen Söhnen und Töchtern das Herz anzurühren, wenn sie ihm nur Raum in ihrem Leben gehen. Ganz sicher gibt es niemanden, der ihm gleich wäre.
Paulus hat geschrieben: „Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater.” (Galater 4:6.) Die Bezeichnung „Abba” stammt aus der Kindersprache; sie macht das Urvertrauen deutlich, das ein Kind seinem Vater entgegenbringt. Dieses kindgleiche Vertrauen ermöglichte es Ijob, Abraham, Josef, Hanna und David, die Schwierigkeiten zu meistern, die das Leben ihnen brachte. Dieses Vertrauen ist der Wesenskern des ersten Gebotes.
Wir vertrauen Gott, weil wir wissen, daß er jede Seele lieht. Wir alle sind seine Kinder. Jesaja hat geschrieben: „Du bist doch unser Vater; denn Abraham weiß nichts von uns, Israel will uns nicht kennen. Du, Herr, bist unser Vater.” (Jesaja 63:16.) Diese Schriftstelle will deutlich machen, daß wir immer Hilfe vom himmlischen Vater erflehen können, auch wenn die Väter aus alter Zeit wie beispielsweise Abraham und Jakob nicht mehr unter uns sind.
Als meine Kinder geboren wurden, spürte ich während des kostbaren, feierlichen Augenblicks, wo ich sie zum ersten Mal in den Arm nahm, wie der Geist mir zuflüsterte und von ihren einzigartigen Eigenschaften erzählte. Als mir diese Eingebungen zuteil wurden, hatte ich zuerst Zweifel. Doch als meine Kinder heranwuchsen, zeigte sich, daß alles stimmte, was mir bei ihrer Geburt eingegeben worden war. Ich kann nur große Ehrfurcht für einen Gott empfinden, der mir Rat erteilte, als er, der himmlische Vater, seine kostbaren Kinder einem neuen Vater anvertraute, der auf der Erde für sie sorgen sollte.
Diese Lehre ist aber eigentlich nichts Neues. Sprach Gott nicht zu Rebekka über die strampelnden Zwillinge, die sie in ihrem Leih trug? (Siehe Genesis 25:21-23.) Und erklärte er Samsons Vater nicht, was er mit dem Knaben machen sollte, der geboren werden würde (siehe Richter 13:8). Ganz sicher gibt es niemanden, der ihm gleich wäre.
Als ich getauft wurde, erklärte meine Mutter, daß der himmlische Vater und ich einander etwas versprachen. Sie sagte, daß Gott mir in der heiligen Schrift etwas verheißen habe und daß er „verpflichtet” sei, seine Verheißung zu erfüllen, wenn ich das täte, was ich versprochen hätte. (LuB 82:10.) Ich kann mich noch dunkel daran erinnern, wie ein Erwachsener mir einmal etwas versprochen hatte, dieses Versprechen dann aber nicht einhielt, weil ich ja „nur ein Kind” war. Wenn ein König einem Bauern etwas verspricht, fühlt er sich dann auch verpflichtet, dieses Versprechen einzuhalten? Hier stand ich nun, erst acht Jahre alt, und der Schöpfer von Welten ohne Zahl verpflichtete sich, eine Verheißung zu erfüllen, die er mir gemacht hatte.
Voller Ehrfurcht vor dieser Wahrheit lesen wir von den Bündnissen, die Gott mit den Kindern Israels geschlossen hat, und auch von den übrigen Gottesbündnissen, über die in der Bibel berichtet wird. Wie geduldig und treu stand Gott doch zu Samson. Erst als Samson alle Nasiräergelübde gebrochen hatte, zog Gott sich von ihm zurück. Gott ist ein geduldiger und liebevoller Vater. Ganz sicher gibt es niemanden, der ihm gleich wäre.

URHEBER DER FREUDE
Dem Gott, den wir verehren, liegt unser Glück am Herzen. Ja, er ist sogar der Urheber der Freude. „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.” (Genesis 1:1.) Als ich klein war, wußte ich nicht viel über den Himmel und die Erde, aber ich kannte eine Wiese oben an der Straße, in der es viele Eidechsen und Leguane gab. Wenn ich sie mit nach Hause brachte, fragte meine Mutter. „Welches von Gottes kleinen Geschöpfen hast du denn heute gefunden?” So lernte ich Gott um der „kleinen Geschöpfe” willen lieben, die er in der Wiese versteckt hatte, wo ich sie dann fand. Aber es gab sie nicht nur in der Wiese. Wir fuhren auch oft ans Meer, wo ich dann den ganzen Tag nach Sandkrebsen grub, die die Brandung ange spült hatte. Ich fand es schön, wenn sie mir in der Hand kitzelten, und als Junge glaubte ich, dass Gott sie nur deshalb er schaffen hatte. Auch sie waren Gottes kleine Geschöpfe.
Wir erfahren viel über Gott, wenn wir uns mit dem beschäftigen, was er erschaffen hat. Ein Leguan oder ein Sandkrebs ist etwas Herrliches, vor allem für einen siebenjährigen Jungen. Diese Geschöpfe haben mich gelehrt, Gott zu lieben.
Als ich älter war, machte ich eine mehrtägige Wanderung im Glacier-Nationalpark. Eines Morgens stand ich um fünf Uhr auf und machte mich auf den Weg zum Lake Elizabeth. Das Wasser war so ruhig wie ein Spiegel. Die Berggipfel dahinter wurden von der aufgehenden Sonne beschienen, deren Strahlen sich in hundert Wasserfällen brachen. Das Morgenblau des Himmels leuchtete nur ein ganz klein wenig rosa. Ich konnte die Tannen riechen, den Wind fühlen und die Vögel zwitschern hören. Mein Wortschatz reichte nicht aus, um die Erhabenheit dieses Augenblicks zu schildern, doch mir kamen Worte in den Sinn, die dem Propheten Joseph Smith offenbart worden waren: Alles, was … aus der Erde kommt, ist zum Nutzen und für den Gebrauch des Menschen geschaffen, daß es sowohl das Augen erfreue als auch das Herz beglücke, . . . zur Stärkung des Leibes und zur Belebung der Seele. Und es gefällt Gott, daß er dies alles dem Menschen gegeben hat.” (LuB 59:18-20.) An diesem Morgen konnte ich Gottes Freude spüren, konnte ich spüren, wie sehr er Schönheit und Einsamkeit lieht.
Bewegt von der Schönheit der Schöpfung schrieb der Psalmist: „Die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn.. Alle Welt fürchte den Herrn… .
Herr, wie zahlreich sind deine Werke. Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.” (Psalm 33:5,8; 104:24.)
Eines Sommers habe ich mit meinem Sohn und seinen Freunden eine Wanderung durch mehrere Canyons im Süden Utahs gemacht. Am letzten Tag wanderten wir durch Muddy Creek, einen engen, vom Wasser ausgewaschenen Sandstein-Canyon. Der Muddy Creek hat den besten Matsch der ganzen Welt! Es war einfach wundervoll.
Es machte den Jungen riesigen Spaß, am Ufer des Baches entlang zu schliddern und zu rutschen. Obwohl sie sich keine Gedanken um das erhabene Naturschauspiel machten, glaube ich doch, daß sie es irgendwie spürten. Ich schaute zu, wie sie ungestüm über den Marsch schlitterten, sah, wie fasziniert sie von dem Geräusch waren, das entstand, wenn sie die Füße hohen, und beobachtete, wie sie voller Begeisterung umher rannten. Manchmal im Leben hat man das Gefühl, man werde beobachtet; dann herrscht eine ganz bestimmte Stille, und man schaut sich unwillkürlich um. Diese Stille spürte ich an jenem Tag auch, und ich sah mich vorsichtig um, oh uns jemand beobachtete. Es war niemand da, und doch gab es jemanden, der uns beobachtete. Ich konnte spüren, wie sehr er sich über unsere Freude freute.
Es ist wundervoll, wenn man sieht, wie andere sich über etwas freuen, was wir ermöglicht haben. Auch das ist eine Eigenschaft Gottes. Er ist der Gott von Muddy Creek, der Gott des Glacier-Nationalparks, der Schöpfer des Menschen und des Sandkrebses. Er kann sich an der Freude der Kinder ergötzen und gleichzeitig den Erwachsenen ein Gefühl der Ehrfurcht und des Erstaunens vermitteln, indem er sich ihnen durch das offenbart, was er erschaffen hat. Ganz sicher gibt es niemanden, der ihm gleich wäre.

WIE GOTT WERDEN
Als junge verehrte ich viele Helden – Sportler und fiktive Personen. Aber meine Mutter sorgte auch dafür, daß ich wirkliche Helden verehrte, nämlich die 1 Helden aus der heiligen Schrift. Bei uns zu flaust: gab es ein Buch mit Geschichten aus der Bibel, aus dem meine Mutter mir oft vorlas. Als ich größer wurde, lasen wir direkt aus der heiligen Schrift. Im Laufe der Zeit vergaß ich die Sport- und Fernsehhelden, aber meine Helden in der heiligen Schrift wurden in meinen Augen immer größer. Mir wurde schnell klar, dass sie nur wegen des Gottes, den sie verehrten, Helden waren. Er schenkte ihnen Würde, Mut und Nächstenliebe.
John Taylor hat gesagt: „Ein Mensch kann in seiner Eigenschaft als Mensch alle Erhabenheit erreichen, die ein Mensch eben erreichen oder entgegennehmen kann; doch um ihn zur Erhabenheit eines Gottes zu erheben, bedarf es auch eines Gottes.” (The Mediation and Atonement, 1882, Seite 145.) Nichts anderes, keine andere Kraft oder Macht, kann aus einem gewöhnlichen Menschen den geistig und sittlich erhabenen Menschen machen, der in der heiligen Schrift zu finden ist. Nur die Gottesverehrung ermöglicht uns diese Erhabenheit.
Als Missionar durfte ich einen lebeenden Apostel kennenlernen, nämlich Elder Boyd K. Packer. Alle Missionare warteten im Gemeindehaus auf ihn. Wir unterhielten uns aufgeregt miteinander. Ich stand mit dem Rücken zur Tür, als Elder Packer ankam, aber ich wußte auch so, daß er den Raum betreten hatte. Der Raum füllte sich nämlich mit der gleichen Kraft und Reinheit, die ich an meiner Mutter gespürt hatte. Es war, als sei er direkt der heiligen Schrift entstiegen. Ich dachte: Das also wird aus einem Menschen, der sein Leben lang Gott gehorcht und Gemeinschaft mit ihm pflegt.
Diese innere Größe habe ich auch bei anderen Männern und Frauen gespürt. Ich staune nicht nur über die Macht Gottes, sondern bewundere den Vater im Himmel auch dafür, was für einen Menschen er aus mir machen will. Wenn wir ihm geduldig gehorchen, dann beginnen wir, so zu leben wie er; und wie er lebt, ist ja am Leben des Erretters deutlich geworden. Der Erretter zeigt uns, wohin uns unsere Gottesverehrung letztlich führen wird. Gibt es sonst noch etwas, durch dessen Verehrung wir uns in solche Höhen aufschwingen können? Gott hat geboten: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.” (Exodus 20:3.) Und warum nicht? Weil uns kein anderer Gott helfen wird, so zu werden, wie der himmlische Vater ist.

WAHRE GOTTESVEREHRUNG
Wir müssen lernen, was wahre Gottesverehrung bedeutet. Mein sechsjähriger Sohn hat mir eines Tages deutlich vor Augen geführt, was Gottesverehrung bedeutet. Ich war gerade im Begriff, eine Lektion vorzubereiten. Mein Sohn spielte und sah dann, wie ich etwas in der heiligen Schrift unterstrich. Er ließ seine Spielsachen fallen, rannte in sein Zimmer und kam mit seiner eigenen heiligen Schrift wieder. Dann legte er sich neben mich aufs Bett, wobei er darauf achtete, daß er sich genauso hinlegte wie ich, und schlug die heilige Schrift auf.
Während der nächsten halben Stunde beobachtete ich, wie er mit meinen Farbstiften etwas in seiner heiligen Schrift unterstrich. Als ich aufschaute, zeigte er mir, was er gemacht hatte. Irgendwie harre er die Seite gefunden, die ich aufgeschlagen hatte. Und er hatte alles genauso markiert, wie es bei mir war. Er hatte dieselben Wörter mir denselben Farben unterstrichen wie ich. Auch meine Pfeile, Linien und Zahlen waren da. Er hatte sogar meine Randnotizen abgeschrieben, dann aber aufhören müssen, weil seine Schrift viel größer war. Entschuldigend und den Trinen nahe sagte er: „Meine Striche sind leider nicht so gerade wie deine.”
Dieser an sich unbedeutende Vorfall hat mir einen wichtigen Grundsatz deutlich gemacht: Wahre Gottesverehrung ist Nachahmung. Sie vollzieht sich, wenn wir unsere weltlichen Spielsachen fallenlassen, uns ausführlich mit dem Leben des Erretters befassen und versuchen, seine Wesenszüge nachzuahmen. Dabei ahmen wir auch den Vater nach. Wir sind allerdings nicht wie er ohne Sünde, aber die Kraft des Sühnopfers ist ausreichend, sofern wir ehrlich und aufrichtig Liehe zeigen und uns Mühe geben. Unsere Gottesverehrung wird uns letztlich zum Gottsein führen, ganz abgesehen vom glücklicheren und friedlicheren Leben schon hier auf der Erde.
Wie Gott zu werden verlangt Anstrengung und Opferbereitschaft, doch der Herr hat verheißen, daß er uns immer helfen wird. Zu Israel in alter Zeit sagte er: „I hört auf mich, ihr vom Haus Jakob, und ihr alle, die vom Haus Israel noch übrig sind, die mir aufgebürdet sind vom Mutterleib an, die von mir getragen wurden, seit sie den Schoß ihrer Mutter verließen.
Ich bleibe derselbe, so alt ihr auch werdet, bis ihr grau werdet, will ich euch tragen. Ich habe es getan, und ich werde euch weiterhin tragen, ich werde euch schleppen und retten.
Mit wem wollt ihr mich vergleichen, neben wen mich stellen?” (jesaja 46: 3-5.)
Wir können die Götter der Welt anbeten und uns von ihnen wie von einer Last niederdrücken lassen, oder wir können uns von der Geburt bis zum Tod vom Herrn erbauen und tragen lassen.

EIN GLEICHGÜLTIGER GOTT?
Das Bild, das ich von Gott gezeichnet habe, ist sehr persönlich. Es ist unvollständig, weil ich viele Facetten seines vollkommenen Wesens nur angerissen habe. Trotzdem mögen manche sagen: ,Was ist denn mit dem Gott des Alten Testaments, nämlich dem Gott, der die Vernichtung der Amalekiter bis hin zum allerletzten Tier befohlen hat? (Siehe 1 Samuel 15:2,3.) Was ist mit Naturkatastrophen? Was ist mit brutalen Menschen?” Darauf weiß ich auch nichts zu erwidern, was diese Fragen, die durch die im Leben vorhandenen Gegensätze ausgelöst werden, erschöpfend beantworten könnte. Aber dennoch gibt es auch hierzu etwas zu sagen.
Von Zeit zu Zeit haben wir alle mit Ungerechtigkeiten, Schmerz und Leid zu kämpfen. Wie läßt sich dieses menschliche Leid vertrauensvoll mit einem Gott in Einklang bringen, der das Beten eines kleinen Jungen erhört? Im Alten Testament finden wir die brennende Bitte der Menschen aus alter Zeit, die diese Frage beantwortet wissen wollten. Ijob kämpft mit dieser Frage, ebenso das Volk Maleachis, das sagt: „Es hat keinen Sinn, Gott zu dienen. Was haben wir davon, wenn wir auf seine Anordnungen achten und vor dem Herrn der Heere in Trauergewändern umhergehen?
Darum preisen wir die Überheblichen glücklich, denn die Frevler haben Erfolg.”(Maleachi 3:14,15.)
Ich habe diesen Punkt erst richtig verstanden, als ich selbst Vater wurde und mir der Zweck des Lebens und die damit verbundenen Prüfungen besser bewußt wurden. Gott wünscht sich Kinder, die so sind wie er, die seine ganze Vollkommenheit widerspiegeln. Wie ist Gott? Er ist voller Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Mitgefühl und Wohltätigkeit. Er bemüht sich um das Glück aller seiner Kinder. Er dient und vergibt. Um wie er zu werden, müssen auch wir uns solche Eigenschaften aneignen. Durch welche Erfahrungen im Leben lassen sich solche Eigenschaften denn am besten entwickeln! Doch dadurch, daß wir Barmherzigkeit und Nächstenliebe empfinden, wenn andere leiden. Daß wir vergeben lernen, wenn andere gegen uns sündigen. Daß wir durch die Bedürfnisse anderer Menschen lernen, zu dienen, Mitgefühl zu empfinden und wohltätig zu handeln. Die schwersten Zeiten im Leben bringen häufig am ehesten gottähnliche Eigenschaften in uns hervor.
Wir können hier auf der Erde Entscheidungen treffen. Wir können bestimmen, ob die Härte des Lebens Grausamkeit, Gleichgültigkeit und Zweifel in uns hervorruft. Oder oh sich in uns Nächstenliebe, Weisheit und Glauben entwickeln. Das hängt davon ab, wie wir auf unvorhergesehene Umstände reagieren.
Eines Tages, als meine Kinder sich dem Teenageralter näherten, saß ich im Tempel und betete: ,Vater, ich will alles opfern, was du von mir verlangen magst, wenn du nur meine Kinder segnest und sie in deine Gegenwart zurückführst” Das war wohl mit das ehrlichste Gebet meines Lebens. Ich war bereit, jeden erdenklichen Schmerz zu ertragen, wenn ich nur wüßte, daß meine Kinder dadurch göttliche Eigenschaften entwickeln würden. Ich glaube, die meisten Eltern verstehen diesen Wunsch. Nicht nur ich hege ihn.
Das gilt auch für den weisen Vater im HImmel. Seine Blickwinkel ist ja viel größer als unserer, und so läßt er Leiden zu, sogar intensives Leiden, denn er weiß, daß seinen Kinder dadurch meistens Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Vergebungsbereitschaft und Wohltätigkeit entwickeln, wie er sie selbst auf vollkommene Art besitzt. Dieser Fortschritt ist Bestandteil des Wegs zur Erhöhung und ein Grund für die Prüfungen, denen wir hier auf der Erde ausgesetzt sind.

DIE EINZIGE MÖGLICHKEIT
Der Vater gebietet: „Du sollst neben mir keine andere Götter haben.” Wir können nur dadurch glücklich werden, daß wir ihn verehren. Es gibt einfach keine andere Möglichkeit. In der heiligen Schritt wird die Liebe, die der Herr für uns empfindet, mit der Liehe eines Bräutigams zu seiner Braut verglichen (siehe Jesaja 61:10; 62:5). Bei einer Eheschließung im Tempel fragte ich einmal die Braut, wann sie denn aufgestanden sei, um sich für ihren Hochzeitstag schön zu machen. „Um vier Uhr morgens”, antwortete sie. ,Warum denn so früh?” fragte ich. „Ich wollte für meinen Mann heute so schön sein wie nie zuvor.”
Auch wir müssen den Wunsch hegen, in unserer Rechtschaffenheit so schön zu sein wie eine Braut an ihrem Hochzeitstag. Die Liehe, die ich für Gott empfinde, gleicht der Liehe, die Porzia in einem Drama von Shakespeare für Bassanio empfindet und folgendermaßen in Worte kleidet:
Ganz sicher gibt es keinen anderen Gott wie unseren Gott. Und um ihn zu verehren, müssen wir all dessen würdig sein, was wir sind und was wir werden können, und auch all dessen, was er ist und was er für uns getan hat.

Ihr seht mich, Don Bassanio, wo ich stehe,
So wie ich hin. Obschon für mich allein
Ich nicht ehrgeizig war in meinem Wunsch,
Viel besser mich zu wünschen; doch für Euch
Wollt ich verdreifacht zwanzigmal ich selbst sein,
Noch tausendmal so schön.
(William Shakespeare, Der Kaufmann von Venedig, 3. Akt, 2. Szene.)
Wir können hier auf der Erde Entscheidungen treffen. Wir können bestimmen, ob die Härte des Lebens Grausamkeit, Gleichgültigkeit und Zweifel in uns hervorruft. Oder ob sich in uns Nächstenliebe, Weisheit und Glauben entwickeln. Die schwersten Zeiten im Leben bringen häufig am ehesten gottähnliche Eigenschaften in uns hervor. S. Michael

Wilcox,Februar 1998

Seinen heiligen Namen ehren

Wenn wir unsere göttliche Herkunft und unser göttliches Erbe wahrhaftig schätzen lernen, können wir den Namen des Herrn gar nicht mehr mißbrauchen.


Vor kurzem habe ich mit meinem ältesten Sohn ein Profi-Basketballspiel besucht. Wir waren begeistert, die berühmten Spieler und den hochkarätigen sportlichen Wettbewerb zu sehen. Etwas hat mich an dem Abend allerdings enttäuscht, und das war die Ausdrucksweise mancher Fans. Es war kaum eine halbe Stunde vergangen, da ließen sie sich durch die Anspannung des Spiels und das Verlangen zu gewinnen zu einem Strom von Flüchen hinreißen. In den darauffolgenden drei Stunden waren wir einer unflätigen Redeweise ausgesetzt, in der der Name des Herrn ständig zu einem Fluch oder Ausruf mißbraucht wurde. Als wir zu unserem Motel zurückkehrten, spürte ich mich buchstäblich niedergeschlagen und schmutzig. Es war ein schmerzliches Erlebnis.
In einer Welt, wo aufrechte und sittlich dlenkende Menschen niemals morden, stehlen oder Ehebruch begehen würden, überrascht es doch, wie gedankenlos manche den heiligen Namen Gottes mißbrauchen. Wie kommt es, daß jemand die Gebote vom Berg Sinai, die den zwischenmenschlichen Beziehungen gelten, so genau halten kann, aber mit der Würde und Heiligkeit des Namens der Gottheit so sorglos umgeht? Die Antwort ist meiner Meinung, daß das dritte Gebot genauso viel mit der Art, wie wir leben und wie wir sind, zu tun hat wie mit unserer Art zu reden. Es steht in engem Bezug zu unserer ewigen Perspektive - zu der Art, wie wir über Heiliges denken und dementsprechend handeln.
Uns wird erst dann völlig klar, wie schwerwiegend die Übertretung dieses Gebots ist, wenn wir uns klarmachen, was es bedeutet, wenn man den Namen Gottes auf sich nimmt und im Namen des Herrn spricht, handelt und betet.

SEINEN NAMEN TRAGEN
Der Fall Adams und Evas war zwar ein wesentlicher Schritt im Erlösungsplan, aber er machte aus der Welt, in die wir geboren werden, eine gefallene, telestiale Welt. Der geistige Tod, den wir alle erleiden, wenn wir in dieser Umgebung sündigen, stellt die Trennung von Gott und seiner königlichen Familie dar.
Ohne die Möglichkeit, uns durch das Sühnopfer mit dem Familienoberhaupt zu versöhnen, würden wir das Recht verlieren, den Namen der Familie zu tragen, ebenso wie das Anrecht auf ewiges Leben mit unserem Vater im Himmel.
Die Erlösung vom geistigen Tod ist nur durch das Wirken eines Gottes möglich, der mächtiger ist als der Tod, eines, auf den die Gerechtigkeit keinen Anspruch hat. Als der vorherordinierte Messias ist Jesus Christus „für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden” (Hebräer 5:9). Abinadi hat gelehrt: „Gott selbst wird unter die Menschenkinder herabkommen und sein Volk erlösen. .. . Ich sage euch: Das sind seine Nachkommen, oder das sind die Erben des Reiches Gottes.” (siehe Mosia 15:1,11.)
Jesus Christus ist also der Vater der Errettung. Die Menschen, die von neuem geboren sind — indem sie Glauben geübt haben, umgekehrt sind, sich haben taufen lassen und indem sie die Gabe des Heiligen Geistes erhalten haben — werden von seiner Familie, der Familie des Allerhöchsten, adoptiert. Als Söhne und Töchter Christi (siehe Mosia 5:7) sind sie mit einem Bund dazu verpflichtet, so zu leben und zu sprechen, wie es dem neuen und heiligen Namen, den sie auf sich genommen haben, angemessen ist.

IN SEINEM NAMEN HANDELN
Ein Engel erklärte Adam vor fast sechstausend Jahren: „Darum sollst du alles, was du tust, im Namen des Sohnes tun, und du sollst Umkehr üben und Gott im Namen des Sohnes anrufen immerdar. (Mose 5:9.) Das ist ein Aufruf zum Handeln — an Adam und alle seine Nachkommen. Wir sollen alles im Namen des Sohnes tun. Wir sollen im Namen des Sohnes sprechen, handeln, anbeten und die Arbeit des Gottesreichs und des Lebens verrichten.
Immer wenn das Evangelium auf der Erde ist, überträgt Jesus Christus seine göttliche Vollmacht erwählten Dienern und erkennt er die Handlungen, die sie kraft dieser Vollmacht vollziehen, an. Und so ist auch in unserer Zeit das immerwährende Evangelium wiederhergestellt worden, „auf daß jedermann im Namen Gottes des Herrn, ja, des Erretters der Welt, sprechen könne” (LuB 1:20.) . Das ist eine ehrfurchtgebietende Verantwortung. Wir müssen uns bemühen, so zu denken und zu sprechen und zu handeln, als wären wir der Eine, dessen heiligen Namen wir tragen, damit unsere Worte und Werke seine Worte und Werke werden.
Unser Erretter kam im Namen seines Vaters und in eigener Verantwortung, und er handelte mit der ganzen Majestät seiner göttlichen Berufung. Er heilte die Kranken und vergab Sünden; dadurch bewies er seine Macht sowohl über physische als auch geistige Krankheiten (siehe Matthäus 9:1—5). Jesus ist Jahwe, und Jahwe ist Gott, und Gott braucht weder den Namen noch die Macht eines anderen, um Wunder zu wirken. Im Gegenteil: alle, die Beauftragte des Herrn sind, sind bevollmächtigt, nur im Namen Jesu Christi zu wirken (siehe Philipper 2:9). Wir können ihm nur dann wahrhaftig dienen, wenn wir wahrhaftig seinen Namen auf uns genommen haben.

DEN NAMEN GOTTES MISSBRAUCHEN
Wie machen wir uns dann dessen schuldig, daß wir den Namen Gottes mißbrauchen??
1. Seine Kinder mißbrauchen seinen Namen, indem sie fluchen und eine vulgäre Sprache führen. Die bekannteste Übertretung ist wohl, daß man den Namen der Gottheit durch Fluchen mißbraucht. Damit zieht man etwas sehr Heiliges in den Schmutz. Präsident Gordon B. Hinckley hat erklärt: „Im alten Israel galt die Übertretung dieses Gesetzes als so schwerwiegend, daß die Lästerung des Namens des Herrn als Schwerverbrechen galt. .. .
Diese schlimmste aller Strafen [die Todesstrafe] wird inzwischen zwar schon lange nicht mehr verhängt, aber die Sünde wiegt noch genauso schwer.” (Siehe Der Stern, Januar 1988, Seite 41f.)
Daß es in Musik, Büchern, Fernsehen und Kinofilmen immer mehr Flüche und ordinäre Redeweise gibt, spiegelt die Vulgarität unserer Zeit wider. Wer vulgär ist, ist grob, rauh oder unanständig. Es bedeutet, daß man Heiliges als gewöhnlich behandelt. Vielleicht hat die Unmenschlichkeit, die manche an den Tag legen, etwas damit zu tun, daß sie Heiliges vernachlässigen; die wachsende Härte, Grobheit und Fühllosigkeit in der Gesellschaft steht vielleicht in direktem Zusammenhang damit, daß Gott geleugnet, geringgeschätzt oder ignoriert wird. Wenn wir den Herrn lieben und sein Wort werthalten, sind wir immer darum bemüht, uns ihm gegenüber voll Ehrfurcht zu verhalten und ihn auch so anzusprechen. Jemand dagegen, der Gott nicht kennt und dem Gottesverehrung und Andacht nichts bedeuten, kann gar nicht verstehen, was heilig und Heiligkeit bedeuten. So jemand kennt in seiner Ausdrucksweise gar keine Hemmungen, er schreckt nicht davor zurück, Heiliges in den Schmutz zu ziehen.
In neuzeitlicher Offenbarung warnt der Herr: „Darum sollen alle Menschen sich in acht nehmen, wie sie meinen Namen in den Mund nehmen.
Denn siehe, ich sage: Es sind viele, die unter Schuldspruch stehen, nämlich weil sie den Namen des Herrn gebrauchen und ihn unnütz gebrauchen, da sie keine Vollmacht haben.
Denkt daran: Was von oben kommt, ist heilig und muß mit Sorgfalt und unter dem Drängen des Geistes gesprochen werden; und darin gibt es keinen Schuldspruch.” (LuB 63:61,62,64.)
Der Herr ist von oben und sein Wort desgleichen (LuB 63:59.) Wenn wir von ihm sprechen oder seinen Namen verwenden, müssen wir das in tiefster Ehrfurcht tun. Wenn wir seinen heiligen Namen verwenden, ohne ernsthaft und angemessen darüber nachzudenken, verwenden wir ihn auf gewöhnliche, vulgäre Weise – mit anderen Worten unnütz, ohne Vollmacht.
Elder Dallin H. Oaks hat erklärt: „Wir gebrauchen den Namen des Herrn unnütz, wenn wir ihn ohne Vollmacht gebrauchen. Das geschieht offensichtlich dann, wenn der heilige Name Gottes des Vaters und der Name seines Sohnes Jesus Christus in einem Fluch mißbraucht werden: in haßerfüllten Flüchen, in zornigen Beschimpfungen oder als Unterstreichung in gewöhnlichen Unterhaltungen." Dem hält Elder Oaks entgegen: „Wir gebrauchen den Namen des Vaters und den Namen des Sohnes mit Vollmacht, wenn wir ehrfürchtig von ihnen lehren und Zeugnis geben, wenn wir beten und wenn wir die heiligen Handlungen des Priestertums vollziehen.” (Siehe Der Stern, 1986, Nummer 6, Seite 52f.)
2. Seine Kinder gebrauchen seinen Namen unnütz, indem sie Eide und Bündnisse brechen. Dem alten Israel sagte der Herr: „Ihr sollt nicht falsch bei meinem Namen schwören; du würdest sonst den Namen deines Gottes entweihen. Ich bin der Herr.” (Levitikus 19:12.) Ein Kommentator hat über das dritte Gebot folgendes geschrieben: „Dieses Gebot gilt strikt für Meineide und das Brechen eines Versprechens oder Vertrags, den man mit einem Eid im Namen Gottes besiegelt hat. Er läßt nicht zu, daß sein Name mit irgendwelchen lügenhaften Taten oder mit Betrug in Zusammenhang gebracht wird. Man darf seinen Namen nicht unnütz gebrauchen, ihn nicht mißbrauchen, ihn nicht leichtfertig oder achtlos in den Mund nehmen.” (J. R. Dummelow, A Cornmentary an the Holy Bible, 1936, Seite 67.)
In alter Zeit prägte der Eid den Partnern eines Vertrags oder den Zeugen in einer Untersuchung ein, wie wichtig Wahrheit und Redlichkeit sind. Das juristische Verfahren, bei dem ein Eid geleistet wurde, schloß heilige Worte und Handlungen ein und wurde im Namen der Gottheit gesiegelt. Einen solchen Eid zu brechen war eine schwerwiegende Angelegenheit und blieb nicht straflos (siehe Ezechiel 17:12-19). Aber im Laufe der Zeit begannen die Menschen ihre Eide zu mißbrauchen und auf eine Weise zu schwören, die unheilig war und es ihnen gestattete, ihre Eide zu brechen.
Jesus rief seine Anhänger zu größerer Rechenschaftspflicht auf:
„Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron,
noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs.
Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen.

Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.” (Matthäus 5:34-37.) Jesus wies seine Jünger an, sich von ihren Worten zur Rechtschaffenheit verpflichten zu lassen. Ja, als Teil einer gesetzlichen oder zwischenmenschlichen Vereinbarung, muß ja bedeuten; nein muß nein bedeuten.
Bündnisse sind zweiseitige Versprechen zwischen uns und Gott. Alle Bündnisse und heiligen Handlungen des Evangeliums werden im Namen Jesu Christi vollzogen und eingegangen; für die Errettung der Menschheit kann nichts in einem anderen Namen oder kraft eine anderen Vollmacht vollzogen werden. Wenn wir also bewußt unsere Bündnisse, die wir in seinem Namen eingegangen sind, übertreten, bedeutet das, daß wir den Namen des Herrn mißbrauchen, daß wir unsere heiligen und feierlichen Verpflichtungen leichtfertig oder als bedeutungslos behandeln. Gott läßt keinen Spott mit sich treiben (siehe Galater 6:7), und er läßt auch nicht zu, daß seine heiligen Handlungen verspottet werden oder leichtfertig damit umgegangen wird.
Außerdem stehen diejenigen, die die Bündnisse des Evangeliums eingegangen sind, unter der heiligen Verpflichtung, das Reich Gottes aufzubauen. Wenn wir Berufungen ablehnen, unsere Pflichten vernachlässigen oder unser Teil nicht tun, tragen wir den Namen des Herrn richt ehrenhaft: Auch dann mißbrauchen wir seinen Namen. Der Herr hat über die Letzten Tage warnend gesagt: „Die Vergeltung kommt schnell über die Bewohner der Erde. ..
Zuerst bei denen von euch, spricht der Herr, die vorgegeben haben, meinen Namen zu kennen, aber mich nicht kennen und die mich mitten in meinem Haus verlästern,spricht der Herr.” (LuB 112:24,26.)
3. Seine Kinder mißbrauchen seinen Namen, indem sie leichtfertig und ehrfurchtslos sind. Das göttliche Gebot vom Berge Sinai „untersagt notwendigerweise jegliche leichtfertige und ehrfurchtslose Erwähnung Gottes oder einer seiner Eigenschaften .. . und wir können dem sicher hinzufügen, daß jedes Gebet, . . . das nicht von tiefer Ehrfurcht und aufrichtiger Frömmigkeit begleitet ist, desgleichen schuldig gesprochen wird." (Adam Clarke's Commentary on the Bible, Auszug von Ralph Earle, 1967, Seite 126.)
Vor mehreren Jahren begann ein junger Mann, der in unserer Gemeinde in der Abendmahlsversammlung eine Ansprache hielt, etwa folgendermaßen: „Brüder und Schwestern, es ist schön, heute in Ihrer Gemeinde zu sein. Ich habe gehört, daß man eine Ansprache am besten mit ein paar Witzen einleitet, um die Zuhörer aufzuwecken.” Er erzählte mehrere lustige Geschichten, darunter auch solche, die dem Anlaß nicht angemessen waren. Die Anwesenden lachten laut — zumindest einige von ihnen. Andere machten sich ihre Gedanken. Nach etwa 15 bis 20 Minuten sagte der junge Mann: „Ich mache jetzt besser Schluß. Ich sage all dies im Namen Jesu Christi, amen.”
Seine Ansprache war belustigend und unterhaltsam, was unter anderen Umständen vielleicht Spaß gemacht hätte. Aber wir saßen in der Abendmahlsversammlung, einem heiligen Gottesdienst. Seine Schlußworte „Im Namen Jesu Christi” hatten etwas Beunruhigendes an sich. Ich hatte diese Worte im Laufe der Jahre natürlich schon unzählige Male gehört. Ich dachte an all die vielen Male, wo ich im Namen Jesu Christi eine Ansprache gehalten oder ein Gebet gesprochen hatte, ohne darüber nachzudenken, in wessen Namen ich gesprochen hatte. Ich dachte über die Gelegenheiten nach, bei denen ich über ein Thema gesprochen hatte, das ich mir selbst ausgesucht hatte, ein Thema, das der Herr vielleicht gar nicht ausgesucht hätte. Ich dachte an die Male, wo ich meine Gebete sehr eilig beendet und den Namen des Erlösers heruntergerasselt hatte, als ob ich auf eine Ziellinie zurannte. Ich dachte an die Male, wo ich das Abendmahl genommen hatte, die Symbole für den Leib und das Blut des Erretters, ohne aber mit den Gedanken dabei zu sein.
Damals wurde mir bewußt, und es ist mir seitdem immer wieder bewußt geworden, daß wir nicht unbedingt eine üble Sprache führen müssen, um den Namen Gottes zu mißbrauchen. Es reicht schon aus, wenn wir den Auftrag, den wir Mitglieder der Kirche des Herrn haben, nämlich in seinem Namen zu sprechen und zu handeln, wahrnehmen, ohne ernsthaft darüber nachzudenken.
Die Schuld, den Namen Gottes zu mißbrauchen, nehmen wir auf uns, wenn wir an heiligen Handlungen leichtfertig oder unwürdig teilnehmen, wenn wir Glaubenstreue vorgehen, obwohl unser Herz oder unsere Hände unrein sind.
Die Freude und Zufriedenheit, die das Leben nach dem Evangelium mit sich bringt, brauchen wir zwar nicht geheim zu halten, aber Joseph Smith hat erklärt: „Das, was von Gott ist, hat tiefe Bedeutung, und nur Zeit, Erfahrung und sorgfältiges, gewichtiges und ernstes Nachdenken vermögen es zu ergründen.” (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 139.)

LOBT SEINEN NAMEN
Wir dürfen den Namen Gottes ehrenhaft und rechtschaffen tragen. Wenn wir das tun, leben wir in seinem Licht. „Was von Gott ist, das ist Licht, und wer Licht empfängt und in Gott verbleibt, empfängt mehr Licht; und das Licht wird heller und heller bis zum vollkommenen Tilg.” (LuB 50:24.) Wenn wir dagegen gelobt haben, den Namen Gottes zu ehren, und es dann nicht tun, verfinstert sich unser Verstand wegen unseres Unglaubens (LuB 84:54.) Dann stehen wir unter Schuldspruch, und „eine Geißel und ein Strafgericht” (LuB 84:58) erwarten uns.
Es geht eine heilige Verantwortung damit einher, wenn man dazu aufgerufen wird, im Namen Gottes zu sprechen oder zu handeln. Es verdient, daß wir feierlich darüber nachsinnen. Wir verkünden das Evangelium eifriger und geben mehr von Herzen Zeugnis, wenn wir daran denken, daß unsere Worte und unsere Taten die Worte und Taten unseres himmlischen Vaters sein können. Zu unserem göttlichen Auftrag gehört auch diese ernsthafte Aussage: „Darum seid ihr, die ihr Beauftragte seid, im Dienst des Herrn; und was auch immer ihr gemäß dem Willen des Herrn tut, das ist die Angelegenheit des Herrn.” (LuB 64:29.) Wenn wir dagegen sprechen oder handeln oder beten, ohne uns um Inspiration zu bemühen, wenn wir die Ansichten und Philosophien von Menschen als Lehre verkünden, wenn wir geistige Anlässe leichfertig oder sorglos angehen, mißbrauchen wir den Namen des Herrn.
Präsident Spencer W. Kimball hat gesagt: „Es reicht nicht aus, üble Sprache oder Gotteslästerung nicht in den Mund zu nehmen. Wir müssen dem Namen des Herrn in unserem Leben einen wichtigen Platz einräumen. Auch wenn wir selbst den Namen des Herrn nicht leichtfertig gebrauchen, dürfen wir unseren Freunden oder unseren Nachbarn oder unseren Kindern gegenüber keinen Zweifel daran lassen, wo wir stehen. Es darf nicht der geringste Zweifel daran aufkommen, daß wir Anhänger Jesu Christi sind.” (Siehe Der Stern, April 1978. Seite 9.)
Die Sterblichkeit bietet uns die Möglichkeit, unserem gottgegebenen Geburtsrecht treu zu sein, indem wir den Namen Gottes in rechtschaffener Weise auf uns nehmen. Allerdings laufen wir Gefahr, unser göttliches Erbe zu verlieren, wenn wir seinen Namen mißbrauchen. Der Apostel Paulus hat den Korinthern geschrieben: „Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.” (1 Korinther 3:16,17; Siehe auch 6:19,20.)
Wenn wir wirklich ein lebendiger Tempel Gottes sein wollen, denken wir in Gedanken, Worten und Handeln an die Widmung, die auf jedem unserer heiligen Tempel zu finden ist: „Heilig dem Herr.”

Robert Millet, April 1998

Fluchen

Sie haben nur einen einzigen Mund. Damit beten Sie, geben Zeugnis und segnen das Abendmahl. Seien Sie als sorgsam darauf bedacht, diesen Mund rein zu halten.

Die Aufnahme in die Basketballmannschaft unserer High School war wohl der größte sportliche Erfolg meines Lebens. Allein die Tatsache, daß ich zur Mannschaft gehörte und mit den anderen Spielern trainieren durfte, erfüllte mich schon mit Begeisterung.
Ich kann mich noch gut an etwas erinnern, was eines Tages im Training geschah. Ein Mannschaftskamerad verpaßte den Ball und beging kurz darauf einen weiteren Fehler. Da fluchte er, und unser Trainer hörte das.
Nun aber war Trainer Fishburn ein ganz außergewöhnlicher Mann. Er war klug, und er kannte sich mit Basketball und heranwachsenden Jungen aus. Deshalb rief er uns nach dem Training zusammen, um die Stunde zu besprechen. Dabei kam er auch auf das Thema „Fluchen” zu sprechen. „Ein guter Sportler braucht niemals zu fluchen”, erklärte er. „Durch Fluchen würdigt er sich nur herab und stellt sich als Schwächling dar. Ein wahrhaft großer Mensch braucht keine schmutzigen Ausdrücke, denn diese machen ihn in den Augen seiner Mitmenschen klein.”
Meine Laufbahn als Basketballspieler war zwar nur kurz, aber ich habe nie vergessen, was unser Trainer damals sagte. „Ein wahrhaft großer Mensch braucht keine schmutzigen Ausdrücke.”
Vor kurzem hörte ich folgendes im Radio: „Wissenschaftler haben eine neue Methode entwickelt, um in das menschliche Gehirn zu schauen.” Hier ging es um eine dieser hochmodernen neuen Maschinen, die zur Krankheitsdiagnose eingesetzt werden.
Ich sage dazu: Jedesmal, wenn jemand den Mund aufmacht, zeigt er, was in seinem Gehirn vorgeht. Diese einfache Methode ist so zuverlässig, daß man sogar noch mehr sehen kann als das Gehirn. Man erhascht einen Blick auf den Geist des Betreffenden. Das stimmt wirklich. Die Wörter, die Sie verwenden, und Ihre Art des Sprechens zeigen ganz deutlich, was für ein Mensch Sie tief im Innern sind.
Stellen Sie sich vor, Sie unterhalten sich kurz mit einem Menschen. Machen Sie sich dabei nicht auch nach kurzer Zeit ein Bild von ihm, das Sie sich möglicherweise viele Jahre bewahren? Das gleiche gilt auch, wenn jemand Ihnen zuhört. Das Bild, das er sich dabei von Ihnen macht, kann lange erhalten bleiben. Wenn das, was er hört, erbaulich ist, hat er eine gute Meinung von Ihnen und dem, wofür Sie einstehen. Aber wenn das, was er hört, gotteslästerlich oder herabwürdigend ist, dann ...
Ich kenne einen Mann namens Tom, der seinen Sohn Michael und einige Mannschaftskameraden aus Michaels Fußballmannschaft eines Samstags zum Spiel fuhr. Die Jungen machten viel Lärm, und Tom wurde nervös, weil er den Fußballplatz nicht fand, denn er war noch nie dagewesen. Und weil er sich bei all dem nicht mehr auf das Fahren konzentrieren konnte, stieß er mit einem anderen Auto zusammen. Der Schaden, der dabei entstand, war zwar nur gering, aber Tom machte seinen Gefühlen mit einem kräftigen Fluch Luft.
Später fragte der kleine Michael seine Mutter, ob sein Vater Mitglied der Kirche sei. Michael hatte nämlich gelernt, daß ein guter Mormone nicht flucht. Die Mutter war überrascht und antwortete: „Natürlich ist dein Vater Mitglied der Kirche.”
„Na ja, Vati mag ja Mormone sein, aber er ist ganz bestimmt kein PV-Scout, denn ein PV-Scout flucht nicht", antwortete Michael.
Wenn Ihnen jemand zuhören könnte, würde er dann denken: „Na ja, er mag ja Mormone sein, aber er ist ganz hestimmt kein Christ”?
Fluchen tut nicht gut, sondern schadet nur. Und weil viele Menschen sich von Flüchen abgestoßen fühlen, zeigt jemand, der flucht, wie unsensibel er ist. Man mag sich Flüche vielleicht anhören, aber kaum jemand läßt sich davon beeindrucken, und meistens bringt man dem, der flucht, nicht besonders viel Achtung entgegen.
Neben dem Fluchen gibt es aber noch weitere Ausdrücke, die genauso schlimm sind, vielleicht sogar noch schlimmer. Damit meine ich Ausdrücke, mit denen jemand wegen seiner Rasse herabgewürdigt wird, wegen eines körperlichen Merkmals oder weil er nicht in eine bestimmte Gruppe paßt. Mit solchen Ausdrücken beleidigt man Jesus Christus, der jeden Menschen liebt, und zwar unbesehen seiner Rasse, seiner körperlichen Erscheinung und seiner gesellschaftlichen Stellung.
Am allerschlimmsten aber sind Ausdrücke, mit denen man Gott lästert. Es ist eine große Sünde, den Namen des himmlischen Vaters und Jesu Christi zu mißbrauchen (siehe Exodus 20:7). Der Herr betrachtet es ganz sicher als Beleidigung, wenn wir seinen Namen verunglimpfen.
Statt dessen müssen wir Gott preisen und zu ihm beten. Das Gehet ist die schönste Form der Kommunikation überhaupt. Es ist das genaue Gegenteil von Gotteslästerung und enthüllt gleichermaßen unser Inneres. Wie heißt es doch in einem unserer Lieder:
„Der Seele Wunsch
ist das Gebet”
(Gesangbuch, Nr. 94).
Können Sie sich vorstellen, was Jesus nach seiner Auferstehung zum Vater sagte, als er unter den Nephiten weilte? Könnte es wohl etwas Schöneres geben als das Gebet Jesu? „So Großes und Wunderbares, wie wir es Jesus reden gesehen und auch gehört haben, das kann keine Zunge aussprechen.” (3 Nephi 17:17.)
Ich habe Ihnen nun die beiden Endpunkte der Skala der menschlichen Sprache vorgestellt — wenn wir fluchen und den Namen des Herrn mißbrauchen, befinden wir uns am unteren Ende der Skala; wenn wir aufrichtig zum himmlischen Vater beten, befinden wir uns am oberen Ende.
In einem Brief an die Kirche schrieb die Erste Präsidentschaft 1887: „Die Gewohnheit, der manche junge Menschen anheimfallen, nämlich der Gehrauch vulgärer, gotteslästerlicher Ausdrücke, verlangt unsere Aufmerksamkeit. ... Mit dieser Gewohnheit kränkt man nicht nur alle wohlerzogenen Menschen, sondern begeht in den Augen Gottes auch eine schwerwiegende Sünde. So etwas darf es bei den Kindern der Heiligen der Letzten Tage nicht geben.”
Den Missionaren wird erklärt, daß es für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt. Was sie sagen und wie sie es sagen, enthüllt dem potentiellen Mitglied viel über sie selbst, über ihre Familie und über die Kirche. Das gilt auch für uns alle. Mit unserer Ausdrucksweise zeigen wir unseren Mitmenschen, wie wir zu ihnen und zu uns selbst stehen.
Unsere Worte spiegeln unsere Gedanken auf vielerlei Weise wider; sie zeigen, wer wir wirklich sind. Als Mitglieder der Kirche des Herrn müssen wir uns immer dessen bewußt sein, daß der Herr und unsere Mitmenschen hören, was wir sagen.
Elder Robert K. Dellenbach, September 1996

 

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen

Präsident Gordon B. Hinckley, Januar 1988
„Die Gewohnheit, vulgäre und gotteslästerliche Sprache zu gebrauchen, ... in die manche junge Menschen heute verfallen, ist nicht nur eine Beleidigung.“

Meine Brüder, es ist immer inspririerend, eine so große Anzahl von Priestertumsträgern im Tabernakel anzuschauen und daran zu denken, daß noch viel mehr Brüder in Versammlungsgebäuden auf diesem Kontinent und in anderen Gebieten der Erde versammelt sind. Ihre Anwesenheit bei diesen Samstagabendversammlungen ist ein Anzeichen für Ihren Glauben und Ihre Hingabe an das Werk des Herrn. Ich lobe Sie und danke Ihnen dafür. Ich liebe Sie. Ihre Unterstützung durch Ihre Gebete bedeutet uns sehr viel. Ich weiß, wie auch meine Brüder sicher wissen, Ihre Gebete für die Generalautoritäten der Kirche steigen zum Herrn auf. Uns ist eine große Verantwortung auferlegt worden, und wir sind dem Herrn und Ihnen, unseren Mitarbeitern in dieser großen Sache, verpflichtet.
Ich möchte mich an die Jungen hier wenden, die jungen Männer des Aaronischen Priestertums. Ich habe hier einen Brief von einem Mann aus dem öffentlichen Leben in der Hand. Er schreibt: „Würden Sie bitte das Problem der Gotteslästerung, des Fluchens und der ordinären Sprache ansprechen? Ich erinnere mich, daß in meiner Schulzeit vor vielen Jahren nur ein Mitschüler so eine Sprache gebrauchte und die meisten sich von ihm fernhielten. Wenn ich mich nicht täusche, breitet sich solche Sprache bei den Schülern wie eine Seuche aus.” Eines Abends sah ich mit meinem sechzehnjährigen Sohn fern. Als die Sprache vulgär wurde, schlug ich vor, den Fernseher abzuschalten. Mein Sohn sagte: ,O. k., Vati, das ist aber nichts gegen das, was ich jeden Tag in der Schule höre.' Als ich mit einigen Jugendlichen sprach, hörte ich gleichlautende Kommentare. Ein Junge sagt: ,Fast jeder spricht so. Die Mädchen sind fast genauso schlimm wie die Jungen oder sogar noch schlimmer.' Wenn ich diese Kommentare höre, fürchte ich, daß vulgäre Sprache in den Schulen ein akzeptierter Standard geworden ist. Das kommt vielleicht vom Einfluß des Fernsehens und der allgemeinen Laxheit unserer Gesellschaft. Was auch immer der Grund sein mag, ich hoffe, daß darauf hingewiesen wird, um dem abzuhelfen und um unseren jungen Menschen klarzumachen, wie wichtig gute Sprache ist. Ich glaube, dieser Vorschlag kam zur rechten Zeit. Aus dem Wall Street Journal habe ich mir vor kurzem eine Kolumne von Hodding Carter III. ausgeschnitten, in der er sagt: „Wenn es einmal selten war, so eine schlechte Sprache in gemischter Gesellschaft zu hören, so ist es heute schwierig, sie zu vermeiden. Aus welchem Grund auch immer ist das dauerhafte Vermächtnis der 60er Jahre die Verderbtheit der Sprache und des Verhaltens in der Öffentlichkeit.” Hodding Carter schreibt als ehemaliger Marinesoldat und als Zeitungsreporter. Beide Gruppen sind für ihre rauhe Sprache bekannt. Das gibt er zu und bekennt seine Schuld. Aber er verurteilt die öffentliche Praxis. Er führt weiter aus: „Dieses Verhalten beschränkt sich nicht auf die Großstädte oder die Städte, die am Meer liegen. . . . Während das, was einmal als ,Ghettosprache' bezeichnet wurde, gewiß in den Ghettos weit verbreitet ist, hört man es heute auch schon in Harvard und Tulane, in Davenport, Iowa, und Destin, Florida, um nur ein paar Namen zu nennen. Schwerwiegender noch als der Verfall der Sprache ist der der Umgangsformen im allgemeinen... . So werden wir von allen Seiten vom Ethos des Pöbels angegriffen, und nur wenige haben den Mut, sich dem entgegenzustellen. ... Ich ziehe selten denjenigen zur Rede, der meine Mutter in der Öffentlichkeit bloßstellt. . . . Wie die meisten zucke ich bloß zusammen und wende mich ab.” (Wall Street Journal, 4. Juni 1987, Seite 23.) Meine Gespräche mit Schulleitern und Schülern haben mich zu dem Schluß gebracht, daß sogar bei unseren Jugendlichen das Fluchen und die vulgäre Sprache überhandnehmen. Ich zögere nicht zu sagen, daß das falsch ist, wirklich falsch, wenn sich ein junger Mann, der zum Priestertum Gottes ordiniert worden ist, sich dessen schuldig macht. Der Mißbrauch des Namens des Herrn ist eine schwerwiegende Angelegenheit. Als Mose die Kinder Israel aus Ägypten in das Land der Verheißung führte, stieg er auf den Berg und sprach mit dem Herrn. Dort schrieb der Finger des Herrn die Zehn Gebote auf die Steintafeln. Diese Zehn Gebote sind die Grundlage des judäochristlichen Verhaltenskodex für die Menschen geworden. Alle zehn Gebote sind wichtig, und dazu gehört: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der Herr läßt den nicht ungestraft, der seinen Namen mißbraucht.” (Exodus 20:7.) Die Übertretung dieses Gesetzes wurde im alten Israel als so schwerwiegend angesehen, daß der Mißbrauch des Namens des Herrn ein todeswürdiges Verbrechen wurde. Im Buch Levitikus gibt es einen interessanten Bericht:
„Der Sohn einer Israelitin . . . schmähte den Gottesnamen und fluchte. Da brachten sie ihn zu Mose... .
Der Herr sprach zu Mose: Laß den, der den Fluch ausgesprochen hat, aus dem Lager hinausführen! Alle, die es gehört haben, sollen ihm die Hände auf den Kopf legen; dann soll ihn die ganze Gemeinde steinigen.
Sag den Israeliten: Jeder, der seinem Gott flucht, muß die Folgen seiner Sünde tragen.
Wer den Namen des Herrn schmäht, wird mit dem Tod bestraft; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen.” (Levitikus 24:11-16.)
Diese schwere Strafe ist zwar seit langem abgeschafft, doch die Schwere der Sünde hat sich nicht geändert.
Der Herr hat in unserer Zeit wieder darüber gesprochen. In der Offenbarung an Brigham Young am 14. Januar 1847, als sich die Heiligen aufmachten, Winter Quarters zu verlassen und in diese Täler im Westen zu ziehen, sagte der Herr:
„Haltet euch von dem Übel fern, den Namen des Herrn unnütz zu gebrauchen, denn ich bin der Herr, euer Gott, ja, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs.”
In einem allgemeinen Brief an die ganze Kirche schrieb die Erste Präsidentschaft am 8. April 1887 in bezug auf dieses Problem, das damals so schwerwiegend wie heute war: „Die Gewohnheit, vulgäre und gotteslästerliche Sprache zu gebrauchen, . . . in die manche junge Menschen heute verfallen, ist nicht nur eine Beleidigung für guterzogene Menschen, sondern eine schwere Sünde in den Augen des Herrn und darf bei den Kindern der Heiligen der Letzten Tage nicht vorkommen.” (Messages of the First Presidency, Band 3, Seite 112f.)
Ich habe einmal mit einer Gruppe von Eisenbahnarbeitern gearbeitet, die anscheinend stolz auf ihre gotteslästerliche Sprache waren. Ich weiß noch, wie ich einem Weichensteller eine geschriebene Anweisung hinüberreichte. Er sollte die Anweisung ausführen, aber es paßte ihm in dem Augenblick nicht, und er bekam einen Koller. Er war 50 Jahre alt, benahm sich aber wie ein verzogenes Kind. Er warf seine Mütze auf den Boden und sprang darauf umher und gab eine Flut von Flüchen von sich, daß man dabei nur mit den Ohren schlackern konnte. Jedes dritte oder vierte Wort war der Mißbrauch des Namens Gottes.
Ich dachte mir: Wie kindisch kann doch ein Erwachsener sein! Es stieß mich ab, daß ein Mann so sprechen und handeln konnte. Ich konnte ihn nie wieder ganz ernstnehmen.
Als Junge in der ersten Klasse hatte ich einmal einen, wie ich dachte, schweren Tag in der Schule hinter mir. Ich kam nach Hause, warf meine Bücher auf den Küchentisch und gab einen Fluch von mir, der auch den Namen Gottes einschloß.
Meine Mutter war schockiert. Sie sagte mir ruhig, aber bestimmt, wie sehr ich im Unrecht war. Sie sagte mir, ich dürfte solche Worte nicht von mir geben. Sie führte mich an der Hand in das Bad, wo sie einen sauberen Waschlappen vom Regal nahm, ihn unter den Wasserhahn hielt und reichlich einseifte. Sie sagte: „Wir werden deinen Mund auswaschen müssen.” Ich mußte den Mund aufmachen, und dann rieb sie mir Zunge und Zähne mit dem seifigen Waschlappen ein. Ich spuckte und war wütend und wollte schon wieder fluchen. Das ließ ich aber sein. Ich spülte meinen Mund wiederholt aus; es dauerte aber lange, bis der Seifengeschmack weg war. Ja, jedesmal wenn ich daran denke, habe ich einen Seifengeschmack im Mund. Ich kann aufrichtig sagen, daß ich den Namen des Herrn seitdem nie wieder mißbraucht habe. Ich bin für diese Lektion dankbar.
Einmal sagte Jesus der Menschenmenge: „Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.” (Matthäus 15:11.)
Das glaube ich, wenn ich Männer und Frauen, Jungen und Mädchen fluchen höre. George Q. Cannon, ein langjähriges und treues Mitglied der Ersten Präsidentschaft, sagte einmal:
„Mißbrauchen Engel den Namen des Herrn? Der Gedanke ist so lächerlich, daß wir diese Frage kaum stellen. . . . Wie kommt es, daß wir tun, was die Engel nicht wagen? Können wir vorgeben, das, was im Himmel verboten ist, sei auf Erden lobenswert? .. .
Wenn wir auch sicher sind, daß niemand uns sagen kann, welchen Vorteil der Mißbrauch des Namens Gottes hat, so können wir ihm sagen: Viel Böses kommt davon. Erstens ist es nutzlos und dumm; es mindert unsere Achtung vor dem, was heilig ist, und bringt uns in schlechte Gesellschaft. Es bringt die Verachtung der Guten über uns, die uns meiden. Es verführt zu anderen Sünden, denn wer bereit ist, seinem Schöpfer zu fluchen, schämt sich nicht, seinen Nächsten zu betrügen; auf diese Weise brechen wir eines der deutlichsten Gebote Gottes.”
Brüder, halten Sie sich bei Ihren Gesprächen von der Gosse fern. Schmutzige Sprache verunreinigt denjenigen, der sie benutzt. Wenn Sie diese Gewohnheit haben, wie können Sie sie ablegen? Beginnen Sie, indem Sie sich entschließen, sich zu ändern. Wenn Sie das nächste Mal ein schmutziges Wort gebrauchen wollen, halten Sie einfach inne. Schweigen Sie, oder sagen Sie, was Sie sagen wollen, auf eine andere Weise. Wenn Sie so Zurückhaltung üben, wird es leicht werden. Präsident Grant sagte gewöhnlich: „Was wir ständig tun, fällt uns leichter; nicht das Wesen der Dinge hat sich geändert, sondern unsere Macht zu handeln ist größer geworden.”
Wir beginnen mit Selbstdisziplin. Shakespeare läßt Hamlet über schlechte Gewohnheiten sagen:
„Seid zu Nacht enthaltsam, und das wird eine Art von Leichtigkeit der folgenden Enthaltung leihn, die nächste wird dann noch leichter; denn die Übung kann fast das Gepräge der Natur verändern, sie zähmt den Teufel oder stößt ihn aus mit wunderbarer Macht.” (Hamlet, 3. Anfang, 4. Szene.)
Können Sie sich einen Missionar dieser Kirche vorstellen, der eine solche Sprache spricht, wie sie in vielen Schulen gang und gäbe ist? Natürlich nicht. Das würde nicht zu seiner Berufung als Botschafter des Herrn passen. Die meisten von euch Jungen sind als zukünftige Missionare hier. Für euch ist es ebenso falsch, schlechte Worte zu gebrauchen, wie für einen Missionar, denn auch ihr tragt das Priestertum. Ihr habt die Vollmacht, im Namen Gottes zu sprechen. Denkt daran: Mit der gleichen Stimme betet ihr einerseits zu Gott und seid vielleicht andererseits versucht, in Gegenwart von Freunden schlechte Sprache zu sprechen. Das läßt sich nicht miteinander vereinbaren.
Paulus, der vielleicht größte Missionar aller Zeiten, schrieb an Timotheus, seinen Mitarbeiter im Dienst:
„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen. Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit.” (1 Timotheus 4:12.)
Achtet auf das, was er sagt: „Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten.” Er spricht hier über die Sprache. Ich denke, er spricht über das, worüber ich gesprochen habe. Er sagt, eine grobe und obszöne Sprache läßt sich mit der Berufung als Jünger Christi nicht vereinbaren.
Er sagt, daß sich im Gespräch mit anderen zeigen muß, daß wir Christus nachfolgen. Die Sprache ist die Grundlage freundlicher gesellschaftlicher Beziehung. Sie kann fröhlich sein; sie kann leicht sein. Sie kann ernst sein, und sie kann lustig sein. Sie darf aber nicht rauh, ungeschlacht oder schmutzig sein, wenn man wirklich an Christus glaubt. Vielleicht habe ich das Thema Ihrer Meinung nach überstrapaziert. Ich habe das getan, weil ich es für sehr wichtig halte. Es ist erschütternd und unnütz, wenn Jungen und Mädchen schlechte Sprache sprechen. Es ist unentschuldbar, wenn ein Mädchen schlechte Sprache gebraucht. Es ist genauso schwerwiegend für einen Jungen, der die Vollmacht hat, im Namen Gottes zu sprechen. Seinen heiligen Namen zu lästern oder in einer verkommenen Sprache zu sprechen, beleidigt Gott und die Menschen.
Der Mann oder der Junge, der auf so eine Sprache zurückgreifen muß, gibt damit zu, daß er ein beschränktes Vokabular hat. Er kann sich nicht genau genug ausdrücken, ohne zu fluchen oder Schimpfwörter zu gebrauchen.
Ich habe heute darüber zu euch gesprochen, weil ich denke, daß sich einige von euch dieser Gewohnheit schuldig gemacht haben. Ich hoffe, ihr nehmt das, was ich gesagt habe, in dem beabsichtigten Geist an. Wenn ihr so eine Sprache gesprochen habt und eure Freunde heute mit euch in dieser Priestertumsversammlung sind, faßt doch gemeinsam den Entschluß, einander zu helfen.
Sollte euch mal ein Ausrutscher passieren, erinnert einander. Ich hoffe, ihr tut das. Dadurch ehrt ihr nämlich euren himmlischen Vater. Ihr ehrt das Priestertum, das ihr tragt. Ihr werdet eurer Familie zur Ehre gereichen. Ihr werdet euch selbst zur Ehre gereichen und stolz darauf sein, eure Zunge im Zaum zu halten.
Ich sage das den Jungen. Ich sage das auch Ihnen, den älteren Männern, denen das ähnliche Schwierigkeiten bereitet. Ich tue das mit Liebe. Ich weiß, es gefällt dem Herrn, wenn wir eine saubere und tugendhafte Sprache gebrauchen, denn er hat uns ein Beispiel gegeben. Seine Offenbarungen sind in einer Sprache geschrieben, die positiv und erhebend ist und die uns ermutigt, das Rechte zu tun und in Wahrheit und Güte voranzugehen.
Flucht nicht. Lästert nicht. Vermeidet sogenannte schmutzige Witze. Haltet euch von Gesprächen fern, die mit obszönen und schmutzigen Wörtern versetzt sind. Ihr werdet glücklicher sein, wenn ihr das tut, und euer Beispiel wird andere stärken. Der Herr segne euch dabei, darum bete ich im Namen Jesu Christi. Amen.

Gedenke des Sabbats, dass du ihn heiligst

Das Einhalten des Sabbats ist keine Einschränkug, sondern ein Schutz und eine Quelle der Kraft. Der Herr erklärte Mose auf dem Berg Sinai noch einmal, wie wichtig dieser Tag ist, und gebot dem Volk Israel: Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!"

Immer wieder, von Generation zu Generation, tauchen diese Fragen auf: Warum können wir am Sonntag nicht das gleiche tun wie an den anderen Tagen? Was nützt es einem, wenn man den Sabbat heilig hält?

Das sind keine Fragen, die nur von Kindern gestellt werden, die zu klein sind, um zu begreifen, welchen Lohn es mit sich bringt, wenn wir die Gebote des himmlischen Vaters befolgen. Ein Student meinte: „Es fällt mir immer schon schwer, zu begreifen, wofür der Sonntag eigentlich da ist. Es ist anscheinend der einzige Tag in der Woche, an dem ich nichts mit meinen Freunden unternehmen kann. Ich war schon in Familien, wo die Kinder am Sonntag überhaupt nichts tun dürfen. Das schafft doch bloß eine feindselige Stimmung.”

Ein zurückgekehrter Missionar gab zu: „Ich mache mir Gedanken, weil ich seit meiner Rückkehr von Mission so wenig geistigen Fortschritt mache, und ich glaube, das liegt teilweise daran, daß ich den Sonntag nicht so begehe, wie ich sollte. Ich bin sicher, daß es noch mehr Mitglieder gibt, für die der Sonntag einfach bedeutet, daß sie drei Stunden in den Versammlungen sitzen, nicht einkaufen und nicht arbeiten und daß sie am Fastsonntag das Frühstück auslassen. Ich habe das Gefühl, daß viel Verwirrung darüber herrscht, wie man den Sonntag richtig lebt.”

Der Herr erklärte Mose auf dem Berg Sinai noch einmal, wie wichtig dieser Tag ist, und gebot dem Volk Israel: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!”

DIE ANWEISUNGEN IN DEN HEILIGEN SCHRIFTEN
Nachdem Gott die Erde erschaffen hatte, segnete er seinen Ruhetag — den siebten Tag — und erklärte ihn für heilig (siehe Genesis 2:2,3). Als er Mose auf dem Berg Sinai noch einmal erklärte, wie wichtig dieser Tag sei, gebot er dem Volk Israel: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!” (Exodus 20:8; Hervorhebung hinzugefügt.) Das Wort gedenke ist wichtig — wir sollen an diesen Tag denken. Die meisten von uns müssen täglich daran erinnert werden, den Herrn und sein Werk im Herzen zu behalten, zum Beispiel durch das Beten und das Schriftstudium, aber wir brauchen auch einen ganzen Tag von den sieben Tagen, an dem wir ihm unsere Aufmerksamkeit und unser Herz ganz zuwenden—an dem wir von weltlichen Dingen ausruhen, die bei vielen auf der Prioritätenliste ganz oben stehen.

Im Hebräischen bedeutet Sabbat „Ruhe” oder „mit der Arbeit aufhören”. Wir sollen aber nicht bloß aufhören, zu arbeiten, sondern den Tag für heilig erklären, ihn heilig machen. Das tun wir, indem wir uns bemühen, Gott näher zu kommen, indem wir ihn verehren und indem wir unseren Mitmenschen dienen.

EIN GESETZ FÜR ALLE ZEIT
In alter Zeit waren die Israeliten als Volk bekannt, das einen von sieben Tagen zur Ruhe und Gottesverehrung bestimmt hatte. Der Herr sagte: „Die Israeliten sollen also den Sabbat halten, indem sie ihn von Generation zu Generation als einen ewigen Bund haken. Für alle Zeiten wird er ein Zeichen zwischen mir und den Israeliten sein.” Exodus 31:16.17.) Die Strafe für die Mißachtung dieses Gesetzes zum Sabbat war der Tod (siehe Exodus 31:14,15; 35:2; Numeri 15:32-36).

Heute steht auf die Entweihung des Sabbats nicht mehr die Todesstrafe. Aber genauso wie die Israeliten, die in alter Zeit das Gesetz übertraten, aus dem Lager Israel ausgeschlossen wurden, sagen die heutigen Kinder Gottes, die das Gebot bewußt mißachten, sich vom Geist ios und bringen eine Art geistigen Tod über sich.

Zur Zeit des Neuen Testaments waren die Juden dafür bekannt, daß sie das Sabbatgesetz strikt befolgten. Als Jesus getadelt wurde, weil ei den Sabbat: angeblich entweiht hatte, verurteilte er die pedantischen und übertriebenen Zusätze zu seinem Gesetz aus alter Zeit. „Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat”, sagte er (Matthäus 12:8). Außerdem sagte er: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.” (Markus 2:27.)

Durch sein Beispiel zeigte der Erretter, wie wir den Sabbat heilighalten können; es ist erlaubt, anderen am Sabbat zu helfen, so wie er es getan hat (siehe Matthäus 12:10-13), sich der Grundbedürfnisse anzunehmen und Kummer zu lindern (siehe Lukas 13:11-16) und sogar Lebewesen aus Gefahr zu befreien (siehe Lukas 14:5). Er zeigte auf, daß der Schlüssel zur rechten Sabbatheiligung wie beim Befolgen anderer Grundsätze des Evangeliums in unserem Herzen zu finden ist. Wenn wir den Herrn lieben, werden wir den Sabbat gar nicht in irgendeiner Weise entweihen wollen.

Aus Liebe zum Herrn begannen die Urchristen, den Sahbat am „Tag des Herrn” (Offenbarung 1:10) zu feiern, „am ersten Wochentag” (Apostelgeschichte 20:7), um an das größte Ereignis seit der Erschaffung der Welt - die Auferstehung ihres Schöpfers - zu erinnern. Die Heiligen der Letzten Tage sind schon häufig aufgefordert worden, dem Herrn ihre Liebe zu erweisen, indem sie den Sabbat heilighalten. 1993 hat die Erste Präsidentschaft beispielsweise den folgenden Rat gegeben:

„Wir haben das Gefühl, daß viele Heilige der Letzten Tage in der Beachtung des Sabbats etwas lau geworden sind. Wir sollten am Sabbat nicht einkaufen und uns auch nicht an anderen kommerziellen und sportlichen Aktivitäten beteiligen, mit denen der Sabbat heute so häufig entweiht wird.

Wir fordern alle Heiligen der Letzten Tage auf, diesen heiligen Tag aus allen weltlichen Aktivitäten herauszuheben und sich zu weihen, indem sie den Geist der Gottes Verehrung und Danksagung, des Dienens und der familienbezogenen Aktivitäten pflegen, wie sie für den Sabbat angemessen sind. Wenn die Mitglieder der Kirche bestrebt sind, das, was sie am Sabbat tun, auf die Absicht und den Geist des Herrn auszurichten, wird ihr Leben von Freude und Frieden erfüllt sein.” (Ensign, Januar 1993, 80.)

RICHTLINIEN FÜR DEN SABBAT
Die Propheten in alter und neuer Zeit haben nicht in allen Einzelheiten gesagt, was wir am Sabbat tun müssen beziehungsweise nicht tun dürfen, aber sie haben uns Schriftstellen genannt, die als allgemeine Richtlinien fungieren. Einige davon wollen wir hier betrachten.

Der Prophet Jesaja hat eine der deutlichsten und am besten formulierten Richtlinien für die Heilighaltung des Sabbats gegeben: „Wenn du am Sabbat nicht aus dem Haus gehst und an meinem heiligen Tag keine Geschäfte machst, wenn du den Sabbat (den Tag der) Wonne nennst, einen Ehrentag den heiligen Tag des Herrn, wenn du ihn ehrst, indem du keine Gänge machst, keine Geschäfte betreibst und keine Verhandlungen führst.” (Jesaja 58:13.)

Nehemia, der Gouverneur der persischen Provinz Juda im fünften Jahrhundert v.Chr. war ein geistig gesinnter und demütiger Führer, der unerschrocken für die Israeliten eine Reform in Gang setzte. Unter seiner Führung gingen die Juden, die aus dem Exil in ihre Heimat zurückgekehrt waren, einen Bund ein, in dem sie Gott Gehorsam gelobten und sich unter anderem zu folgendem verpflichteten: „Wenn die Völker des Landes Waren, besonders Getreide jeder Art, am Sabbat zum Verkauf anbieten, werden wir ihnen am Sabbat oder an einem anderen heiligen Tag nichts abnehmen.” (Nehemia 10:32.)

Als manche Händler dann doch weiterhin am Sabbat ihren Geschäften achgingen, bewies Nehemia ihnen, daß es ihm ernst damit war, den Tag des Herrn zu ehren:

„Da machte ich den Vornehmen von Juda Vorwürfe und sagte zu ihnen: Wie könnt ihr eine solche Untat begehen und den Sabbat entweihen?

Haben das nicht schon eure Väter getan? Dafür ließ unser Gott all dieses Unheil über uns und diese Stadt kommen. Wollt ihr neuen Zorn über Israel bringen, indem ihr den Sabbat entweiht?

Ich ließ von da an vor dem Anbruch des Sabbats, wenn es in den Toren Jerusalems dunkel wurde, die Tore schließen und befahl, sie erst nach dem Sabbat wieder zu öffnen. Auch stellte ich einige meiner Leute an die Tore, damit am Sabbattag keine Lasten hereingebracht wurden.” (Nehemia 13:17-19.)

Ich habe vor kurzem von einer Geschichte aus der heutigen Zeit erfahren, die so ähnlich ist wie die Begebenheit aus der Zeit des Alten Testaments.

Ein Ehepaar, Mitglieder der Kirche, kaufte ein Restaurant, das bisher nicht sehr erfolgreich gewesen war. Sie hatten aber einige Veränderungen vor, um den Betrieb neu zu beleben. Der Sonntag war einer der Tage gewesen, an dem das Restaurant immer voll gewesen war, und manche ihrer Bekannten — darunter ein guter Freund, der ihnen Geld geliehen hatte, damit sie das Restaurant kaufen konnten — rieten ihnen dringend, das Restaurant auch am Sonntag offen zu halten. Die beiden überlegten hin und her, ob sie das Restaurant am Sonntag schließen sollten; schließlich widersprach es den geschäftlichen Gepflogenheiten. Aber schließlich entschieden sie sich für den sonntäglichen Ruhetag; sie wollten nach ihrem Glauben leben und dem Herrn vertrauen. In den darauffolgenden Monaten gingen die Einnahmen sofort nach oben, und seitdem ist das Geschäft stetig besser geworden.

Die Erfahrung dieser beiden sowie die Erfahrungen anderer lehren uns, daß der Herr diejenigen, die seine Gebote befolgen, belohnt. So wie er den Israeliten zur Zeit des Mose verhieß, sie würden am Tag vor dem Sabbat zweimal soviel Manna auflesen (siehe Exodus 16:29) und im sechsten Jahr eine reiche Ernte einbringen, so daß für das siebte und achte Jahr gesorgt war (siehe Levitikus 25:3–7, 20—22), so kann er in einem Restaurant der heutigen Zeit dafür sorgen, daß das Geschäft am Freitag und Samstag so gut läuft, daß das, was man am Sonntag hätte einnehmen können, auch hereinkommt — oder sogar noch mehr.

Wir dürfen natürlich nicht annehmen, daß wir immer in finanzieller Hinsicht gesegnet werden, wenn wir den Sabbat ehren. Manchmal müssen wir finanzielle Schwierigkeiten durchmachen, auch wenn wir nach dem Evangelium leben. Aber wenn wir das Gesetz des Sabbats befolgen, segnet der Herr uns mit dem, was er für uns am besten erachtet.

SCHUTZ VOR DEM BÖSEN
In unserer Zeit hat der Herr uns erklärt, daß wir, wenn wir den Sabbat heilighalten, besser vor dem Bösen in der Welt, die ja in geistiger Hinsicht immer mehr verfällt, geschützt sind. In einer Offenbarung an Joseph Smith hat der Herr das vierte Gebot folgendermaßen umformuliert: „Und damit du dich selbst noch mehr von der Welt unbefleckt halten mögest, sollst du an meinem heiligen Tag ins Haus des Betens gehen und deine heiligen Handlungen darbringen.” (LuB 59:9.)
Hier finden wir einen inspirierten Plan für Schutz vor Unmoral, Auflehnung, der Zerrüttung der Familie und vor anderen geistigen Gefahren, die uns bedrohen: jeden Sabbat können wir das Abendmahl nehmen, und dazu gehört, daß wir regelmäßig Umkehr üben und geloben, uns rein und „von der Welt unbefleckt” zu halten Der Herr fährt fort: „Denn wahrlich, das ist der Tag der bestimmt ist, daß ihr von eurer Arbeit ruht und daß du dem Allerhöchsten deine Ergebenheit erweisest.” (LuB 59:10.) Wenn wir den Sabbat dazu nutzen, den Herrn aufrichtig zu verehren, wenn wir uns und unsere Kraft dem Dienst an Gott und unseren Mitmenschen weihen, bewahren wir uns vor dem Bösen um uns herum.

Denke daran: An diesem Tag, am Tag des Herrn, sollst du dem Allerhöchsten deine Gaben und deine heiligen Handlungen darbringen und deinen Brüdern sowie vor dem Herrn deine Sünden bekennen.” (LuB 59:12.) Die Gaben, die wir dem Herrn darbringen können, sind unsere Zeit, unsere Talente, unsere Habe — für Gott und unsere Mitmenschen genutzt. Aus diesem Schriftvers geht hervor, daß wir uns nicht nur schürzen, indem wir alles, was wir haben, dem Dienst des Herrn weihen, sondern auch indem wir ihm, denen, die wir beleidigt haben, und, wo dies angemessen ist, auch den dazu bestimmten Dienern des Herrn, unsere Sünden bekennen.

Der Herr definiert weiter, was an seinem heiligen Tag annehmbar ist: „Und an diesem Tag sollst du nichts anderes tun als mit Herzenslauterkeit deine Speise bereiten, … damit deine Freude vollständig sei.” (LuB 59:13.) Hier haben wir ein konkretes Beispiel dafür, wie wir diesen Tag heilighalten können: wir sollen unsere Essenszubereitung einfach halten, damit wir Gott verehren können, statt uns um unsere physische Befriedigung zu kümmern.

Aber es gilt noch mehr zu bedenken. Elder Mark E. Petersen vom Kollegium der Zwölf hat einmal die Bedeutung des Gebots erklärt: „An diesem Tag sollst du nichts anderes tun.”

Wenn wir am Sonntag nichts anderes tun sollen, als den Tag heiligen Zwecken zu weihen, wie steht es dann tun uns, wenn wir uns dafür entscheiden, am Sonntag unseren Geschäften nachzugehen, oder wenn wir am Sonntag einkaufen gehen oder wenn wir am Sonntag Vergnügungsstätten aufsuchen.

Wir wissen, daß es Menschen gibt, die in bestimmten wesentlichen Dienstleistungsbereichen arbeiten, zum Beispiel im Krankenhaus und in anderen Einrichtungen, die 24 Stunden am Tag in Betrieb sind, und die daran nichts ändern können. Von ihnen ist nicht die Rede. Aber die meisten Menschen haben keinen solchen Beruf und können sich ihre Zeit einteilen.

Würden sie am Sonntag lieber Ski fahren oder schwimmen oder ins Kino gehen oder ihren Geschäften nachgehen, statt in die Kirche zu gehen? Wenn die Antwort ja lautet, sollten sie sich fragen, ob sie wirklich schon so weit vom Glauben abgekommen sind und ein anderes Evangelium angenommen haben – ein Evangelium des Sonntagsvergnügens und der sonntäglichen Geschäfte. ..
Die Art, wie wir den Sabbat verbringen, ist ein Zeichen für unsere innere Einstellung gegenüber Gott.

Die Art, wie wir den Sabbat begehen, ist ein Anzeichen dafür, wie tief unsere Bekehrung geht.” (Ensign, Mai 1975, 49)Elder Spencer W. Kimball vom Kollegium der Zwölf hat zur rechten Sabbatheiligung, die folgenden Vorschläge geäußert: „Der Sabbat ist ein heiliger Tag, an dem man sich entsprechend heilig beschäftigen soll. Sich von Arbeit und Vergnügungen fernzuhalten ist wicht:g, aber nicht genug. Der Sabbat verlangt konstruktives Denken und Handeln, und wenn jemand an dem Tag nur faulenzt und nichts tut, so begeht er eine Übertretung. Wer den Sabbat hält, wird zum Beten niederknien, einen Unterricht vorbereiten, das Evangelium studieren, Kranke und Betrübte besuchen, schlafen, wertvolle Lektüre lesen und alle Versammlungen besuchen, zu denen er erwartet wird. Wenn man das, was recht ist, nicht tut, übertritt man durch Unterlassung.” (The Miracle of Forgiveness, 1969, 96f) Elder L. Toni Perry vom Kollegium der Zwölf hat die Meinung geäußert, daß selbst die Art, wie wir uns kleiden, einen Einfluß auf unsere Einstellung und unsere Neigungen am Tag des Herrn hat: „Ich frage mich häufig, was aus der guten alten Sonntagskleidung geworden ist. Wenn man sich so kleidet wie alle Tage, paßt sich anscheinend auch das Verhalten der Kleidung an.

Natürlich erwarten wir von unseren Kindern nicht, daß sie den ganzen Tag ihre Kirchenkleidung tragen, aber wir erwarten auch nicht, daß sie etwas anziehen, was dem Sabbat nicht angemessen ist.” (Ensign, November 1984, 19.)

EINE QUELLE DER SEGNUNGEN
Denen, die den Sabbat einen Tag der Wonne nennen und ihn zum heiligen Tag erklären, sind große Segnungen verheißen: „Und wenn ihr dies mit Danksagung tut, mit fröhlichem Herzen und Angesicht … so gehört euch die Fülle der Erde … und alles Gute, was aus der Erde kommt.” (LuB 59:15-17.)

Manchmal treten die Segnungen nicht sofort ein; es kann uns sogar große Opfer abverlangen, wenn wir zu unserem Glauben stehen. Aber dafür, daß wir den Sabbat so verbringen, wie es dem Geist dieses Tages entspricht, sind uns Freude und Frieden verheißen und daß sich für uns alles zum Guten auswirkt (LuB 98:3.)

Vor mehreren Jahren schrieb mir eine Studentin, die am Jerusalem-Center der Brigham Young University studiert hatte, kurz nach ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten. Sie berichtete von einer großen Herausforderung in bezug auf die Sonntagsarbeit: „Mit das Schwerste war, daß ich meinem Chef sagen mußte, daß ich nicht mehr sonntags für ihn arbeiten konnte. Die letzten beiden Sommer hatte es mir nichts ausgemacht, sonntags zu arbeiten, aber aufgrund der Einsicht, die ich seitdem gewonnen habe, könnte ich das jetzt nicht mehr rechtfertigen.”

Ihre Bewunderung für ihren Chef machte es ihr schwer, es ihm zu sagen. „Ich glaube, ich wollte es ihm deshalb nicht sagen, weil er zu mir so gut gewesen ist. Ich konnte mich immer darauf verlassen, daß ich dort einen Job hatte.”

Sie brauchte drei Tage, darunter einen Fasttag, um den Mut aufzubringen. „Ich wollte bloß, daß er meine Einstellung verstand. Ich nahm eine geschnitzte Figur aus Ölbaumholz als Friedensangebot mit — für alle Fälle. Natürlich drehte das Gespräch sich um Jerusalem und uni alles, was ich in Israel gemacht hatte. Ich versuchte, ihn darauf vorzubereiten, warum ich sonntags nicht mehr arbeiten konnte.
Wir kamen schließlich auf meine Arbeit zu sprechen. Meine Nerven hielten nicht durch, und meine Stimme zitterte ein bißchen, aber schließlich konnte ich über meine Gefühle sprechen. Der Geist muß mit mir gewesen sein, denn er hatte Tränen in den Augen, und auch ihm fiel das Sprechen schwer. Er erklärte mir, er respektiere meine Entscheidung und sei froh, daß ich zu meinem Glauben stände.

Er erklärte mir auch, seine Glaubensvorstellungen seien etwas anders und er müsse gerecht sein und alle seine Angestellten gleich behandeln. Er sagte nicht eindeutig, daß ich nicht mehr für ihn arbeiten konnte, aber wir wußten es beide. Ich hatte ein Gefühl, als sei mir eine schwere Laste von den Schultern genommen worden. Ich habe jetzt keine Arbeit, aber das ist in Ordnung; irgend etwas wird sich schon finden.”

DER SABBAT UNSERER ZUKUNFT - HEUTE
Zur Vorbereitung auf das Millennium können die Heiligen der Letzten Tage schon jetzt darauf hinarbeiten, daß sie ein Volk werden, das im Herzen rein ist und den Willen Gottes tut. Ein solches Volk beachtet den Sabbattag, das es ihn heilighält (siehe LuB 68:29.) Wie wird der Sabbat im Zion des Millenniums aussehen?

Aus dem, was geschrieben steht, geht hervor, daß es am Tag des Herrn keine körperliche Arbeit gehen wird, keine Einkäufe, keine offenen Geschäfte und keine Sportveranstaltungen oder andere Vergnügungen. Wir erwarten auch, daß die Menschen in Zion sich am Abend vorher nicht überarbeiten oder so lange aufbleiben, daß sie am Sabbat völlig erschöpft sind.

Vielmehr werden diese Heiligen ihre Versammlungen in der Kirche besuchen, allein und mit ihrer Familie die heiligen Schriften studieren und darüber nachsinnen und andere aufbauende Literatur lesen. Wir würden wahrscheinlich sehen, daß sie an ihrer Lebensgeschichte und an ihrer Familiengeschichte schreiben, daß sie andere aufbauen, die Kranken besuchen, sich mit Genealogie und Missionsarbeit beschäftigen, singen und sich inspirierende Musik anhören und noch vieles mehr tun, so wie der Geist des Herrn es ihnen eingibt. Indem sie den Sabbat heilighalten und den Herrn des Sabbat ehren, werden sie gewiß mit dem Frieden und der Freude, die er verheißen hat, gesegnet.
Erscheint Ihnen das wie ein schönes Bild des Sabbat? Das Erstaunliche daran ist, daß wir es nicht erst im Millennium zu erleben brauchen. Wenn wir es wollen, kann es für uns schon am kommenden Sonntag Wirklichkeit werden - und wir werden die Segnungen für den Gehorsam sofort erhalten.

D. Kelly Ogden, Mai 1998

Ehre Deinen Vater und Deine Mutter

Elder Dallin H. Oaks
vom Kollegium der Zwölf Apostel
161. Frühjahrs-Generalkonferenz April 1991


„Das Gebot, die Eltern zu ehren, zieht sich wie ein Faden durch das ganze Gewebe des Evangeliums. Es ist ja schon in unserer Beziehung zu Gott, unserem Vater, verankert.”

Der Golfkrieg hat viele Menschen zutiefst erschüttert. Für viele Heilige der Letzten Tage ist durch diesen Konflikt alles anders geworden. Wir hatten dort auf dem Kriegsschauplatz über 140 HLT-Gruppen, die Führungsaufgaben wahrgenommen und den Militärangehörigen Gottesdienste und Gemeinschaft ermöglicht haben. Zu Hause gab es auseinandergerissene Familien, die viel seelischen Druck ertragen mußten. Anerkennung zollen wir den Führern und Mitgliedern der Kirche, die eine zusätzliche Belastung auf sich genommen haben, um die Angehörigen der Soldaten zu betreuen. Und sie tun das noch immer. Die Führungskräfte in Pfahl, Gemeinde, Kollegium und FHV haben sich von Anfang an in der besten Tradition geschwisterlichen Beistands bewiesen. Während dieser Krise haben wir viel Mitgefühl mit denen gehabt, die auf beiden Seiten niedergedrückt und gefährdet waren. Woche für Woche haben wir in den führenden Räten der Kirche, in den Kirchenversammlungen allerorten, daheim wie in den öffentlichen und privaten Zusammenkünften für das Wohlergehen der Militärangehörigen gebetet. Wir haben aber auch gebetet, daß der Krieg kurz sein und es möglichst wenige Tote und Verwundete geben möge.
Unsere Gebete wurden erhört, und jetzt - in dieser Zeit der nationalen Danksagung, die durch die Verlautbarung des Präsidenten angeregt wurde - sind wir mit den Millionen religiös denkender Menschen im Dankgebet an den gnädigen himmlischen Vater verbunden. Wir versichern die Hinterbliebenen der Toten unserer Liebe und unseres Mitgefühls. Und wir beten weiterhin darum, daß diejenigen, die über die Erhaltung des Friedens und die Rückführung der Gefangenen und Flüchtlinge zu bestimmen haben, weise und überlegt handeln und die Wunden des Krieges erfolgreich heilen mögen.
Vor Tausenden von Jahren hat der Herr, der Gott Israels, auf einem Berg auf der anderen Seite der arabischen Halbinsel seinem Volk die Zehn Gebote gegeben. Das fünfte davon, das der Herr durch den Propheten Mose gegeben hat, lautet:
„Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.” (Exodus 20:12.)
Ich möchte heute über dieses Ehren der Eltern und der Bejahrten sprechen.
Das Gebot, die Eltern zu ehren, zieht sich wie ein Faden durch das ganze Gewebe des Evangeliums. Es ist ja schon in unserer Beziehung zu Gott, unserem Vater, verankert. Es berührt die göttliche Bestimmung der Kinder Gottes. Es hat seine Auswirkungen auf die Führung der Familie, die der Führung des Himmels nachgestaltet ist.
Im Gebot, die Eltern zu ehren, hallt der hehre Geist der Familienbindung nach, worin wir den höchsten Ausdruck himmlischer Liebe und der Sorge füreinander verwirklichen können. Wir ahnen, wie wichtig diese Bindung ist, wenn wir erkennen, daß die eindrucksvollsten Äußerungen der Freude und des Schmerzes im Erdenleben von unseren Familienangehörigen ausgehen.
Dieses Gebot erweist sich aber auch im Hervorbringen und Aufziehen von Kindern, im Anlegen einer Familiengeschichte und in den Bemühungen, die Verordnungen der Ewigkeit für unsere verstorbenen Vorfahren zu vollziehen.
Der Erretter hat während seines Erdenwirkens wiederholt betont, wie wichtig das fünfte Gebot ist. Er erinnerte die Schriftgelehrten und Pharisäer daran, daß es uns geboten ist, Vater und Mutter zu ehren, und daß Gott angeordnet hat, ein jeder, der seinem Vater oder seiner Mutter flucht, solle mit dem Tod bestraft werden (siehe Levitikus 20:9; Deuteronomium 21:18-21; Matthäus 15:4; Markus 7:10). Heutzutage gilt das Nichtehren der Eltern in keinem mir bekannten Land als todeswürdiges Verbrechen. Die göttliche Weisung jedoch, Vater und Mutter zu ehren, ist aber nie widerrufen worden (siehe Mosia 13:20; Matthäus 19:19; Lukas 18:20).
Wie so viele Schriftstellen hat auch dieses Gebot eine mehrfache Bedeutung.
Die jungen Leute verstehen die Ehrung der Eltern ganz richtig so, daß sie sich auf Gehorsam, Achtung und darauf konzentrieren, den rechtschaffenen Eltern nachzueifern. Paulus unterstreicht das besonders, indem er sagt: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem [ich denke, er hat gemeint: in allem, was rechtschaffen ist]; denn so ist es gut und recht im Herrn.” (Kolosser 3:20.)
Präsident Kimball stellt die Verbindung von Gehorsam und Nacheifern auf die folgende Weise her:
„Wenn wir [unsere Eltern] wirklich ehren, dann sind wir bestrebt, ihre besten Eigenschaften nachzuahmen und die höchsten Erwartungen, die sie in uns setzen, zu erfüllen. Für die Eltern kann kein gekauftes Geschenk auch nur im geringsten denselben Wert haben wie ein einfaches, aufrichtiges Wort der Wertschätzung. Nichts, was wir ihnen geben können, wäre für sie wertvoller, als daß jedes ihrer Kinder rechtschaffen lebt.” (The Teachings of Spencer W. Kimball, Seite 348.)
Ihr jungen Leute, wenn ihr eure Eltern ehrt, dann werdet ihr sie lieben und achten, euch ihnen anvertrauen, auf sie Rücksicht nehmen, ihnen sagen, wieviel sie euch bedeuten, und das alles dadurch unter Beweis stellen, daß ihr ihrem Rat in Rechtschaffenheit folgt und den Geboten Gottes gehorcht.
Jemand, dessen Eltern gestorben sind, wird das Ehren der Eltern damit in Zusammenhang bringen, daß er an Familientreffen denkt, an Familiengeschichte, an Tempelarbeit und an das eigene Engagement in wertvollen Belangen, in denen die verstorbenen Eltern ihr Leben lang tätig waren.
Leute im mittleren Alter denken bei diesem Gebot wahrscheinlich daran, daß sie ihre bejahrten Eltern versorgen sollen. Vor eineinhalb Jahren hielt Präsident Benson die Familien dazu an, „den betagten Eltern und Großeltern die Liebe, Fürsorge und Beachtung angedeihen zu lassen, die sie verdienen”. Er sagte:
„Denken Sie daran, wir sind für unsere Eltern und Großeltern verantwortlich, und wir müssen nach besten Kräften für sie sorgen. Wenn ältere Mitglieder keine Kinder haben, so müssen die Priestertumsführer und die FHV-Führerinnen alle Anstrengungen unternehmen, um ihren Bedürfnissen auf eine gleiche, liebevolle Weise gerecht zu werden.” (Generalkonferenz, Oktober 1989.)
In den letzten Jahren haben die älteren Menschen in unserer Bevölkerung an Zahl stark zugenommen. Kürzlich hat eine Studie ergeben, daß in zehn Jahren ein Siebtel der Bevölkerung der Vereinigten Staaten - also etwa 35 Millionen - 65 Jahre oder älter sein werden. Dann werden an die fünf Millionen Menschen 85 Jahre oder älter sein. (Deseret Neins, 7. Mai 1990.)
Von Zeit zu Zeit hören die Führer der Kirche von erwachsenen Kindern, die anscheinend gute Heilige der Letzten Tage sind,
aber in ihrer Fürsorge für die betagten Eltern nachlässig oder sogar auf böse Weise gleichgültig sind. Manche reden ihren Eltern zu, ihren Besitz aufzuteilen, und bringen sie dann in ein Heim, wo sie manchmal ungenügend betreut werden, manchmal von ihren Kindern keine regelmäßigen Besuche oder Liebeserweise erhalten. Ich denke, das war der Anlaß für den Sprecher des Herrn, den Propheten Jesaja, mit starken Worten zu gebieten, man dürfe sich seinen Verwandten nicht entziehen (siehe Jesaja 58:7).
Die beste Fürsorge für die Bejahrten besteht darin, daß man ihnen ihre Unabhängigkeit möglichst lange bewahrt. Präsident Benson hat erklärt:
„Auch wenn unsere Eltern älter werden, müssen wir sie ehren, indem wir ihnen möglichst lange Entscheidungsfreiheit und Selbständigkeit zugestehen. Nehmen wir ihnen die Entscheidungen, die sie noch treffen können, nicht ab. Oft sind Eltern in der Lage bis ins hohe Alter für sich selbst zu sorgen, und würden dies auch lieber tun. Wenn sie es können, lassen Sie sie es tun.
Wenn ihre Fähigkeit abnimmt, selbständig zu leben, kann die Hilfe der Familie, der Kirche und des Gemeinwesens in Anspruch genommen werden. Und wenn sie überhaupt nicht mehr für sich sorgen können,
nicht einmal mehr mit der Hilfe anderer, kann im Haus eines Familienangehörigen für sie gesorgt werden, sofern das möglich ist. Auch die Kirche und das Gemeinwesen können dann helfen.” (Generalkonferenz, Oktober 1989.)
Wenn betagte Eltern, die nicht mehr allein leben können, eingeladen werden, bei ihren Kindern zu wohnen, bleiben sie im Kreis der Familie, und das macht es ihnen möglich, ihre enge Beziehung zu allen Angehörigen aufrechtzuerhalten. Wenn Eltern bei einem der Kinder wohnen, sollen die übrigen Kinder es so einrichten, daß sie an den Lasten ebenso wie an den Segnungen dieses Arrangements ihren Anteil haben.
Wenn es nicht möglich ist, daß die Eltern bei den Kindern wohnen, und deshalb die Unterbringung in irgendeiner Art Heim nötig ist, müssen die Kinder daran denken, daß die Fürsorge im Heim hauptsächlich auf das leibliche Wohl ausgerichtet ist. Die Angehörigen müssen dann regelmäßig Besuche machen und den Kontakt pflegen, um für den geistigen und seelischen Unterhalt und die Liebe zu sorgen, die es in der Familienbeziehung geben muß - während des irdischen Daseins und in alle Ewigkeit.
In einigen Ländern, wo es Mitglieder gibt, wird die Verpflichtung, für die bejahrten Eltern zu sorgen, stärker empfunden und bewußter eingehalten als in den Vereinigten Staaten. Ich habe das in Asien erlebt. Aber die Mehrzahl der Amerikaner ist sich ihrer Verpflichtung, für bejahrte Eltern zu sorgen, sehr wohl bewußt.
Eine kürzliche landesweite Umfrage ergab, daß sechs von zehn älteren Personen wöchentlich von ihren Kindern besucht wurden, und drei Viertel hatten mindestens wöchentlich ein Telefongespräch mit ihren Kindern. Zwei Drittel der Befragten haben vor, ihre Eltern im Alter zu versorgen. (Deseret News, 7. Mai 1990.)
Die Heiligen der Letzten Tage stehen bei der Fürsorge für ihre alten Eltern und generell für alte Mitbürger mit an vorderster Stelle. Ich habe wunderbare Beispiele dafür in meiner eigenen Verwandtschaft und bei HLT-Freunden und Mitarbeitern erlebt. Viele unserer Generalautoritäten und ihre Ehefrauen haben sich bei der Fürsorge für ihre alten Eltern beispielhaft verhalten.
Ich kann mich erinnern, daß ich als kleiner Junge - das war in einem kleinen Ort in Utah - gesehen habe, wie meine Großmutter die Bereitstellung von Essen, Geschenken, Beförderungsmitteln und Unterhaltung für eine große Gruppe älterer Menschen beaufsichtigte. Sie war Ratgeberin in der Pfahl﷓FHV-Leitung und traf die Vorbereitungen für den „Tag der alten Leute”.
Die meisten von Ihnen haben noch nie etwas vom „Tag der alten Leute” gehört. Das war eine typische Mormoneneinrichtung in Utah. Begonnen wurde sie 1875, als Charles R. Savage, der Fotograf der Pioniere, den Präsidierenden Bischof Edward Hunter dazu überredete, einen Tag als Ehrentag für diejenigen zu erklären, die wir heute die Senioren nennen. Am ersten „Tag der alten Leute” gab es für die Gäste einen Eisenbahnausflug nach Salt Air, westlich von Salt Lake City. Ein Erinnerungsmal an diese Feier steht heute noch in der Südostecke des Tempelplatzes.
Der jährliche „Tag der alten Leute” wurde fast in jedem Gemeinwesen in Utah gefeiert. Es gab Reisen, Erfrischungen und viel Unterhaltung für alle Mitbürger ab siebzig Jahren. Dieser Feiertag wurde zwar von den Führern und Mitgliedern der Kirche veranstaltet, aber es war festgesetzt worden, daß „niemand wegen seiner Religion ausgeschlossen werden [dürfe], und der älteste Anwesende ist der Ehrengast, sei er weiß oder schwarz oder Anhänger welcher Religion auch immer”. (Utah Historical Quarterly, 1985:158.)
Das leitende Komitee für diese Feiern wurde 1970 aufgelöst, und die Verantwortung für die Ehrung der Senioren ging auf die Pfahlpräsidenten der Kirche über. Seit damals erleben wir eine weitere Zunahme der Zahl der älteren Mitbürger in unserer Mitte, aber vielleicht doch keinen bedeutenden Zuwachs an Ehrung für sie.
Glücklicherweise steigern die Fortschritte in der Medizin nicht nur die Langlebigkeit, sondern sie ermöglichen auch die aktive Beteiligung der Senioren am Leben der Kirche, der Wohngemeinde, am Geschäftsleben und an geselligen Veranstaltungen. Aber der Bedarf an Ehrung, besonders der Väter und der Mütter, hat sich nicht verringert.
Das fünfte Gebot wird oft auch als das erste Gebot mit einer Verheißung bezeichnet. „Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.” (Exodus 20:12.) Ich habe darüber nachgedacht, wie Gebot und Verheißung hier zusammenhängen. Wie kann das Ehren unserer Eltern die Langlebigkeit steigern?
Während meiner fast vierzig Ehejahre habe ich etwas beobachtet, was die Erfüllung dieser Verheißung wenigstens teilweise erklärt.
In den ersten Jahren meiner Ehe habe ich viele glückliche Stunden bei meinen Schwiegereltern, Charles und True Dixon, verbracht. Dort habe ich auch die mütterliche Großmutter meiner Frau, Adelaide White Call, kennengelernt. Sie war 85 Jahre alt und Witwe, und sie hatte den „Exodus”, wie er von den Alteren genannt wurde, überlebt: sie hatte zu den tapferen Heiligen der Letzten Tage gehört, die 1912 aus Nordmexiko vertrieben worden waren. Jetzt lebten ihre Söhne und Töchter in den Vereinigten Staaten verstreut. In ihren späteren Lebensjahren hatten sie ihr geholfen, sich in Utah County, nahe den Eltern meiner Frau, niederzulassen.
Bei meinen Besuchen bemerkte ich, mit wieviel Zartgefühl, Liebe und Sorge ihre Kinder und Schwiegerkinder sich um die alte Mutter kümmerten. Sie kamen sie häufig besuchen. Die Mutter meiner Frau ging tagtäglich zu ihr hin und lud sie oft zu sich ein. Sie wurde an allen Veranstaltungen beteiligt, zu denen sie Lust hatte, und es wurde ihr jede Rücksichtnahme und Achtung zuteil. Jeder Wunsch wurde ihr erfüllt, wenn sie krank war. Ja, dachte ich mir, diese Callkinder ehren wahrhaftig ihre Mutter.
Es ist vierzig Jahre her, daß ich sah, wie diese Ehre erwiesen wurde. Jetzt aber sehe ich die Auswirkungen. Ich sehe, daß meine Frau und ihre Geschwister ihre Mutter genauso ehren, wie sie sie ihre Mutter haben ehren sehen. Zum Glück ist True Dixon gesund und sehr vital und braucht gegenwärtig nicht die Fürsorge, die ihre Mutter nötig hatte. Und doch sind ihre Kinder sehr aufmerksam. Oft kommt Besuch oder gibt es ein Telefongespräch, auch Einladungen, die sie an allem, was sie wünscht, Anteil nehmen lassen. Ich glaube, sie wird länger in dem Land leben, weil ihre Kinder sich um sie kümmern und sie in ihrer Gemeinschaft halten - ihre Kinder, die gelernt haben, die Eltern zu ehren, weil sie beobachtet haben, wie ihre Mutter ihre eigene Mutter geehrt hat.
Ich bin für dieses Beispiel und dieses Prinzip dankbar, besonders wenn ich vorausschauend die Auswirkung davon erkenne, daß unsere Söhne und Töchter beobachten, wie ihre Mutter ihre Mutter ehrt. Ich bin sicher, zur gegebenen Zeit werden die Tage meiner Frau im Land verlängert werden, weil ihre Kinder sich um sie so kümmern, wie sie es ihnen vorgelebt hat. Ein wertvolles Beispiel wiederholt sich von einer Generation zur anderen. Fürwahr, Rechtschaffenheit ist ein Lichtstrahl, und jede gute Tat trägt ihren Lohn in sich. Der Herr sagt, daß „derjenige, der die Werke der Rechtschaffenheit tut, seinen Lohn empfangen wird, nämlich Frieden in dieser Welt und ewiges Leben in der zukünftigen Welt” (LuB 59:23).
In der Zukunft wird jeder von uns vom Herrn, vom Gott Israels, gerichtet werden, der uns geboten hat, Vater und Mutter zu ehren. Ich bete darum, wir alle mögen uns unseren Eltern gegenüber so verhalten, daß wir an dem Tag schuldlos vor Gott stehen können. Im Namen Jesu Christi. Amen

Du sollst nicht morden

Zu den Schätzen, die im alten Israel in der Bundeslade aufbewahrt wurden, gehörten die beiden Steintafeln, auf denen die Zehn Gebote geschrieben standen. Die ersten vier dieser Gebote behandeln unsere Beziehung zu Gott, das fünfte die Beziehung zu unseren Eltern. Es wird üblicherweise angenommen, daß das sechste Gebot, „du sollst nicht morden (Exodus 20:13), an der Spitze der Liste auf der zweiten Tafel stand – in der es darum ging, wie der Herr sich unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen vorstellt. Es stehen zwar nur verhältnismäßig wenige Menschen ernsthaft vor der Versuchung, zu morden, aber viele von uns haben mehr mit der Verletzung dieses Gesetzes zu tun, als wir ahnen. In unserer Welt, wo das Töten häufig ein Werkzeug politischer Strategie oder persönlichen Gewinnstrebens ist, ist Frieden fern von uns. Wir brauchen wohl ein neues Sinai, von dessen erhabener Höhe Gott von neuem mit Donnerstimme spricht: „Du sollst nicht morden!

Das sechste Gebot untersagt den Mord. Das ist der Mindeststandard. Das Beispiel des Erretters weist auf eine höhere Erwartung hin: daß wir das Leben anderer bereichern.


IN WELTWEITES PROBLEM
Der Erste Weltkrieg wurde als der Krieg bezeichnet, der allen Kriegen ein Ende setzen sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg meinten viele, solche Schrecken wie der Holocaust, in dem so viele Menschenleben ausgelöscht wurden, könnten nie wieder im Angesicht so vieler zivilisierter Länder geschehen. Aber seitdem haben an vielen Orten der Welt, von Südostasien über Afrika bis Osteuropa Massenmorde stattgefunden. Das sechste Gebot wird auch von Serientätem und Massenmördern in großen und kleinen Ländern übertreten. In den Kriegen zwischen Gangs, mit ihren Messerstechereien und Schießereien und anderen sinnlosen Gewaltakten ist der Tod an der Tagesordnung. Dieses willkürliche Morden bringt unsägliches Elend über die Familien, die Angehörige verlieren, und es bringt Furcht über diejenigen, deren Stadt, Dorf und Nachbarschaft unter der Gewalt zu leiden haben.

Ich erinnere mich gern daran, wie ich als junger Mensch in einem kleinen Ort im südöstlichen Idaho aufgewachsen bin, wo ich abends nach dem Kino oder einer Aktivität in der Schule nach Hause gehen konnte, ohne auch nur im geringsten um meine Sicherheit besorgt zu sein. Ich hoffe, daß das an manchen kleineren Orten noch möglich ist, aber ich spüre, daß dies heute an vielen Orten etwas völlig Unbekanntes ist.

DIE SCHMERZLICHSTE SÜNDE VON ALLEN
Wir wissen, daß das Sühnopfer für alle wirksam wird, die umkehren, außer für diejenigen, die die unverzeihliche Sünde gegen den Heiligen Geist begehen (siehe Matthäus 12:31): Im Umgang miteinander auf der Erde stellt die Übertretung des sechsten Gebots allerdings das abscheulichste Verbrechen dar, das man begehen kann. Der Mörder, der das irdische Dasein eines anderen beendet, sündigt auf entsetzliche Weise gegen denjenigen, den er tötet. Wer mordet, stiehlt einem anderen das kostbare Geschenk der Erfahrungen der Sterblichkeit und stellt sich offen gegen Gott, der ja Leben schenkt.
Außerdem begibt sich ein Mörder in eine Lage, in der es ihm unmöglich ist, denjenigen, gegen den er gesündigt hat, um Verzeihung zu bitten oder Wiedergutmachung zu leisten – zumindest in diesem Leben. Mord ist etwas so Entsetzliches, daß der Prophet Joseph Smith gesagt hat: „So jemandem kann keine Vergebung zuteil werden, bis er nicht den letzten Pfennig bezahlt hat.”’
Außerdem haben viele der moralischen Konflikte unserer Zeit in irgendeiner Weise mit dem sechsten Gebot zu tun, wenn wir berücksichtigen, was der Herr dem in neuzeitlicher Offenbarung hinzugefügt hat: „Du sollst nicht … töten und auch sonst nichts Derartiges tun.” (LuB 59:6.) Immer wieder lesen wir Schlagzeilen und hören wir Berichte, in denen es um „Derartiges” geht: Selbstmord, Abtreibung, Euthanasie, Vergiftung der Umwelt, bewußtes Übertragen von AIDS und dergleichen mehr.


WIR MÜSSEN STÄNDIG AUF DER HUT SEIN
Die Gewalttätigkeit, die unsere Gesellschaft kennzeichnet, sagt uns viel über uns selbst und über das, worauf wir in unserem Leben und im Leben unserer Kinder achtgeben müssen. Wir müssen beispielsweise ständig auf der Hut sein vor Gier und Egoismus. Diese Eigenschaften sind häufig die Wurzel von Gewalttätigkeit. Wie der Herr in der Bergpredigt erklärt hat, können die Herabsetzung anderer oder Zorn so weit eskalieren, daß es zu schwerwiegenderen Übertretungen kommt – bis hin zum Mord (siehe Matthäus 5:21,22).
Am häufigsten sind wir erzürnt, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es gern hätten, oder wenn andere sich nicht so verhalten, wie wir es uns wünschen. Wenn wir uns in einer Macht- oder Vollmachtposition befinden, kann Zorn alle möglichen Formen „ungerechter Herrschaft° annehmen (siehe LuB 121:34-46). Wenn wir uns nicht in einer Machtposition befinden, kann sich Zorn häufiger als schwelender Haß und Abneigung äußern, die dann häufig gegen Unschuldige zum Ausdruck kommen. König Benjamin war offensichtlich darüber besorgt, wie dies in der Familie geschehen mag, als er sein Volk ermahnte, die Kinder nicht nur mit Essen und Kleidung zu versorgen, sondern sie auch davon abzuhalten, miteinander zu streiten und so dein Teufel zu dienen (siehe Mosia 4:14,15).
Man schadet sich nur selbst, wenn man ständig hei Situationen verharrt, in denen negative, häßliche Gefühle geschürt werden. Unsere Gesellschaft ist manchmal von einer morbiden Faszination angesichts der finsteren Aspekte des Lebens besessen, vor allem wo es um Tod und Gewalt geht. In Kino und Fernsehen erleben wir, wie Todesszenen immer und immer wieder durchgespielt werden – manchmal auch in Zeitlupe. Bisweilen wird Gewalttätigkeit im Sport und bei anderen Wettbewerben beklatscht. Die graphische Darstellung von Gewalt wird selbst zu einer Form von Gewalt, die an den Zuschauern ausgeübt wird.
Mich fasziniert seit jeher, was der Prophet Joseph Smith die Brüder gelehrt hat, die beim Marsch des Zionslagers dabei waren. Jene Gruppe, die durch Offenbarung zustande gekommen war, war bereit, sich der bewaffneten Auseinandersetzung mit den Verfolgern der Mitglieder der Kirche in Missouri zu stellen – sie waren bereit, gegebenenfalls ihr Leben hinzugeben oder Leben zu nehmen, um andere zu verteidigen. Aber der Prophet hinderte sie sogar daran, drei Klapperschlangen zu töten, die sie in einem der Lager fanden. „,Laßt sie in Ruhe, tut ihnen nichts! Wie soll die Schlange jemals ihre Giftigkeit verlieren, solange die Knechte Gottes dieselbe Veranlagung besitzen und ihr dauernd nachstellen? Der Mensch muß vor dem unvernünftigen Tier arglos werden, und wenn er seine bösartige Einstellung verliert und aufhört, die Tierwelt zu zerstören, dann können der Löwe und das Lamm beieinander liegen, und ein Säugling kann ungefährdet mit der Schlange spielen.”
Wenn die Gesellschaft lernt, die Heiligkeit des Lebens in jeglicher Form mit solcher Ehrfurcht wertzuschätzen, werden sicher viel weniger Menschen das sechste Gebot übertreten.

IN EINER GEWALTTÄTIGEN WELT LEBEN

Aber was sollen wir in unserer gewalttätigen Welt tun? Wie sollen wir uns angesichts der Probleme verhalten, die im Zusammenhang mit der Übertretung des sechsten Gebots entstehen? Die heiligen Schriften und die Worte unserer Kirchenführer, zusammen mit Grundsätzen wie Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe, geben Hinweise auf manche Antworten.
Der feste Glaube an Gott in einer gewalttätigen Welt. Dadurch, daß wir um das Wesen unseres Gottes wissen, finden wir die Kraft, uns unserer Welt zu stellen. Weil er uns so sehr liebt, sendet er seinen Sohn, damit er diejenigen heilt, „deren Herz zerbrochen ist, . . . damit er alle Trauernden tröste” (Jesaja 61:1,2), er „läßt aber (den Sünder) nicht ungestraft” (Exodus 34:7). Der Prophet Joseph Smith hat erklärt: „Unser himmlischer Vater ist in seinen Ansichten weitherziger und in seiner Barmherzigkeit und seinen Segnungen großzügiger, als wir glauben oder anzunehmen bereit sind. Zugleich ist er aber den Übeltätern gegenüber schrecklicher, in der Durchsetzung seiner Strafe fürchterlicher und viel eher bereit, jeden falschen Schritt aufzudecken, als wir geneigt sind, hei ihm vorauszusetzen.”’
Der erste Teil dieser Zusicherungen sollte unser Vertrauen und unsere Liebe zum himmlischen Vater festigen. Inmitten unserer Verwirrung und Angst, vor allem dann, wenn wir jemanden verloren haben, der uns sehr nahestand, können wir diesen Frieden erlangen (siehe Johannes 14:27). Auch hat der Erretter uns gesagt: „Fürchtet euch nicht, auch nicht vor dem Tod”; vielmehr sollen wir uns „um die Seele und um das Leben der Seele” sorgen (siehe LuB 101:36,37). Er ruft uns auf, Frieden zu stiften und damit „Kinder Gottes” zu sein (siehe Matthäus 5:9).
Aber die Warnung, daß der Herr den Sünder nicht ungestraft läßt, daß seine Strafen fürchterlicher sind, als wir es uns vorstellen können, sollte uns helfen, im Bewußtsein der wahren Gerechtigkeit Gottes Trost zu finden. Er kennt unsere Lage, er kennt diejenigen, die gegen uns sündigen, und er wird sich zu seiner Zeit und auf seine Weise um sie kümmern.
Hoffnung inmitten einer gewalttätigen Welt. Die Heiligen der Letzten Tage dürfen sich niemals zu denen gesellen, die Trübsal und finstere Gedanken verbreiten. Aber wenn wir im Reden über die Probleme und das Unglück in unserer Gesellschaft nicht achtgeben, könnten unsere Kinder fälschlicherweise glauben, die Welt sei nicht gut und man könne niemandem vertrauen. Wir müssen dieser Vorstellung entgegenwirken, vor allem in unseren Gesprächen in der Familie, indem wir Nachdruck darauf legen, daß wir in der Fülle der Zeiten leben, in einer Zeit, wo etliche der außergewöhnlichsten Ereignisse stattfinden, die die Welt je erlebt hat — wozu auch die Verbreitung des Friedensevangeliums gehört. Wir müssen unsere Kinder lehren, klug und umsichtig zu sein; aber trotzdem müssen wir im Angesicht des Pessimismus Hoffnung vermitteln. Der Apostel Paulus erinnert uns daran, daß zur Frucht des Geistes trotz der Sünde und Schlechtigkeit der Welt Liebe, Freude und Frieden gehören (siehe Galater 5:22,23).
Nächstenliebe inmitten einer gewalttätigen Welt.
Als Jünger des Herrn Jesus Christus können wir den Auswirkungen der Gewalttätigkeit auf uns und unsere Familie entgegenwirken. Wir können es vermeiden, andere unredlich zu beurteilen; dadurch vermeiden wir es, ihnen und ihrer Familie Schmerz zuzufügen, indem wir ungesicherte Meinungen und Spekulationen verbreiten. Zweitens können wir in unserem Leben und unserer Familie jeglichen Ausdruck von Gewalttätigkeit vermeiden. Und drittens können wir auf Möglichkeiten achten, Leid zu lindern, wo immer wir können — vor allem im Leben derer, die durch die Übertretung des sechsten Gebots Schaden erlitten haben.
Wenn wir in den Fehler verfallen, andere zu verurteilen, gehen wir vielleicht so weit, daß wir jemanden, der das sechste Gebot übertreten hat, als verlorene Seele schuldig sprechen. Aber nur Gott kennt den Sinn und das Herz seiner Kinder. Elder M. Russen Ballard vom Kollegium der Zwölf Apostel hat sich einmal zum Thema Selbstmord geäußert und dabei Fragen aufgeworfen, die sich auch auf andere Übertretungen des sechsten Gebots beziehen lassen:
„Ich glaube, daß der Richterspruch über eine Sünde nicht immer so einfach ist, wie manche von uns zu denken scheinen. Der Herr hat gesagt: ,Du sollst nicht morden.’ (Exodus 20:13.) Bedeutet das, daß jeder, der tötet, schuldig gesprochen wird, ohne Berücksichtigung der Umstände? Das Zivilrecht erkennt an, daß es in dieser Sache Abstufungen gibt. … Ich glaube, daß der Herr die Unterschiede in Absicht und Umständen kennt.”
Elder Ballard geht außerdem darauf ein, daß mentale, seelische oder physische Faktoren beim Selbstmord eine Rolle spielen mögen, die wir nicht verstehen. Elder Bruce R. McConkie vom Kollegium der Zwölf Apostel hat dazu etwas Ähnliches gesagt: „Jemand, der unter großem Streß steht, verliert vielleicht so sehr die Beherrschung über sich selbst und ist geistig so sehr verwirrt, daß er für sein Handeln nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. So jemand darf dafür, daß er sich das Leben genommen hat, nicht schuldig gesprochen werden. Wir müssen auch bedenken, daß das Urteil dem Herrn überlassen bleibt.”’
Ähnliche Überlegungen gelten vielleicht in Fällen von Abtreibung und physischem Mißbrauch. Wir müssen in jedem Fall soviel Anteilnahme aufbringen, wie es uns möglich ist, und das Urteil dem Herrn überlassen und in Liebe auf jeden zugehen, so gut wir nur können. Manchmal können wir nicht mehr tun, als für jemanden, der trauert, zu beten, manchmal können wir nur durch unser Beten die Last eines anderen auf uns nehmen, um „mit den Trauernden zu trauern . . und diejenigen zu trösten, die Trost brauchen” (Mosia 18:9). Aber wo immer das möglich ist, müssen wir uns bemühen, in jemandem, der sich in seinem Kummer aus dem Leben zurückgezogen hat, wieder den Blick für den erhabenen Sinn und Zweck des Lebens zu wecken.

SEINE BOTSCHAFT VOM LEBEN

Seit meiner Jugend habe ich oft darüber nachgedacht, wie tröstlich es doch wäre, eine bestimmte Schriftstelle zu haben, der ich mich immer und immer wieder zuwenden könnte, ohne daß sich ihre Möglichkeiten, Trost und Weisung zu spenden, je erschöpften. Aber ich habe in den heiligen Schriften immer zu viele solche Schriftstellen gefunden, als daß ich mich auf eine einzige hätte beschränken können. Im Laufe der letzten Jahre ist mir in Augenblicken der Besinnung allerdings immer und immer wieder eine bestimmte Schriftstelle in den Sinn gekommen. Jesus hat einfach gesagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.” (Johannes 10:10.)
Diese eine Schriftstelle bezieht eine ganze Fülle von ähnlichen Schriftstellen ein: „Gott …, der ihm das Leben gegeben hat” (Alma 40:11); „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben” (Johannes 14:6); „Es ist mein Werk und meine Herrlichkeit, die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen” (Mose 1:39) und viele weitere. Das Wort Leben ist wohl ein Synonym für die Mission des Erretters. Jeder, dessen Herz er berührt hat, hat durch diese Berührung das Leben in größerer Fülle erhalten.
Als Jesus gefragt wurde, welches das größte aller Gebote sei, antwortete er, indem er zwei Schriftstellen, Deuteronomium 6:5 und Levitikus 19:18, zusammenzog:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.” (Matthäus 22:37—40.)
Kurzum, alle Gebote Gottes, einschließlich des sechsten der Zehn Gebote, sind in diesen beiden erhabenen Grundsätzen eingeschlossen — in der Liebe zu Gott und in der Liebe zu unseren Mitmenschen. Diese Grundsätze sind die wesentlichen Elemente der Nächstenliebe, der reinen Christusliebe, und diese Liebe steht im Mittelpunkt der Evangeliumsbotschaft.
Gewiß wird jemand, der dies versteht, auch verstehen, warum das Gebot „Du sollst nicht morden” ein ganz wesentliches Gebot für den Umgang mit unseren Mitmenschen ist. Morden ist die Antithese zu der Mission, die der Herr selbst verkündet hat: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.” (Johannes 10:10.)
Wie können wir, als seine Jünger, unseren Mitmenschen weniger gehen als die Liebe, die dieses Leben in Fülle möglich macht?

Arthur R Bassett, September 1998

Powered by 20six / MyBlog

Verantwortlich für die Inhalte und Daten dieses Weblogs ist der Autor.
Datenschutzerklärung / Dein kostenloses Weblog bei 20six.de / myblog.de!

Werbung: Neckermann.de / Hotels / Conrad / Reisen
/ Familienversicherung